Zeugen beim Verkehrsunfall

Zeugen beim Verkehrsunfall

  • Frau Gormanns:
    „Ein bisschen wie im Krimi, im Tatort oder so, darum geht es heute Abend, nur dass wir eben keine Zeugen suchen, sondern dass wir hier bei Radio 90,1 überlegen, was heißt es, was bedeutet es, Zeuge zu sein und welche unterschiedlichen Situationen gilt es da zu beurteilen. Hermann-Martin Klein, Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner ist unser Experte heute Abend, erst einmal schönen guten Abend!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Schönen guten Tag liebe Hörerinnen und Hörer!“
  • Frau Gormanns:
    „Wir spielen einmal ein paar Möglichkeiten durch, in denen man als Zeuge aussagen muss oder kann. Am Anfang steht, Herr Klein, der Unfallzeuge, also der zufällige Zeuge, der mitbekommen hat, was da gerade für ein Malheur passiert ist!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Der klassische Fall ist der, dass der Zeuge erst durch den Knall auf die ganze Angelegenheit aufmerksam wird und dann meint, dass er auch irgendetwas gesehen hätte, meistens verhält es sich anders.“
  • Frau Gormanns:
    „Was heißt denn das genau?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Der Zeuge hat eben nur etwas gehört und dahin geguckt, wo das Geräusch passiert ist und er rekonstruiert dann vor seinem inneren Auge was da, seiner Meinung nach, passiert sein muss.“
  • Frau Gormanns:
    „Dann ist ja dieser Zeuge vielleicht gar kein guter Zeuge, oder?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Also der klassische Unfallzeuge ist, aus meiner Sicht, der denkbar schlechteste Zeuge, weil er völlig unbeteiligt am Straßenrand steht, gar nicht mit einem Unfall rechnet und dann in dem Moment, in dem es knallt, eben hinguckt und sich einen Reim darauf macht ohne wirklich zu wissen, was sich da ereignet hat.“
  • Frau Gormanns:
    „Das belegen ja auch zahlreiche Untersuchungen, dass das so ist.“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Es gibt herrliche Studien zu diesem Beispiel. Selbst Polizeibeamte, die vorher darauf hingewiesen wurden, dass sie jetzt gleich ein gestelltes Unfallereignis mit allerdings drei beteiligten Fahrzeugen anschließend beschreiben sollten, haben nichts Übereinstimmendes zusammengebracht. Jeder hat irgendetwas anderes gesehen, hinterher wusste kaum noch jemand, welcher Beteiligte in welchem Fahrzeug gesessen hat und welches Fahrzeug aus welcher Richtung kam. Da sieht man einmal, wie unaufmerksam derartige Zufallzeugen sind.“
  • Frau Gormanns:
    „Ist das denn eigentlich im echten Leben überhaupt so, wie man das eben aus dem Fernsehen, aus dem Krimi kennt, dass Zeugen so dringend gesucht werden?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Es kommt auch im tatsächlichen Leben zu Aufrufen in der Zeitung zum Beispiel, dass Zeugen für bestimmte Vorfälle gesucht werden. Also es ist natürlich nie auszuschließen, dass irgendjemand Unbeteiligtes wirklich etwas Wichtiges beobachtet hat. Aber dieser klassische Unfallzeuge ist häufig mit Vorsicht zu genießen.“
  • Frau Gormanns:
    „Letztendlich ist das ja auch für den Richter, aber auch zuvor für die Polizei sehr schwierig zu beurteilen, ob die Zeugenaussage überhaupt einen Wert hat, oder?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Nun kennen sich ja auch insbesondere Richter mit der Thematik aus und wissen schon, das richtig zu bewerten, was ein Zeuge sagt und stellen dann auch entsprechende Fragen, die dann manchmal so ein paar kleine Nebenbeobachtungen betreffen. Wenn der Zeuge dazu überhaupt keine Angaben machen kann, ahnt der erfahrene Richter zumindest, dass es sich eben doch nur um einen so genannten Knallzeugen handelt.“
  • Frau Gormanns:
    „Ich finde diesen Begriff sensationell – Knallzeuge. Dieser Zeuge heißt so, weil… Herr Klein!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Weil er nur den Knall gehört hat und sich aus dem Bild, was sich ihm dann bietet, den Rest zusammen reimt.“
  • Frau Gormanns:
    „Also, vom Knallzeugen kommen wir gleich zur der Zeugenaussage vor Gericht, gleich mehr dazu in „ein Fall für den Anwalt!“

Sie wünschen weitere Informationen?

Wir beraten Sie gerne!

Mandantenberichte


Corona News 02161 92 03 0