Wie berechnen sich die Leistungen der Unfallversicherung?

Wie berechnen sich die Leistungen der Unfallversicherung?

  • Frau Gormanns:
    “Oliver Maubach, Fachanwalt Versicherungsrecht von den Rechtsanwälten KORN VITUS in Mönchengladbach . Wir sprechen über die private Unfallversicherung. Eben haben wir gehört, was an Kapitalleistungen bei Verlust eines Körpergliedes gezahlt werden kann. Unser Beispiel ist der Daumen. Ist der nicht gänzlich verloren, dann ist die Versicherungssumme, die gezahlt wird, im Verhältnis zu der Beeinträchtigung zu reduzieren. Was heißt denn das?”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Mein Daumen ist zu ¾ beeinträchtigt, also ¼ nur noch nutzbar, dann wäre bei einer Invalidität des Daumens von 20 % und einer Versicherungssumme von 100.000,00 € eine 15-prozentige Invalidität vorliegend, so dass dann der Versicherte einen Betrag von 15.000,00 € erhalten würde.”
  • Frau Gormanns:
    “Ist eigentlich logisch, also in der Gliedertabelle steht der Prozentsatz der Invalidität, die bei Verlust von Körperteilen vorliegt. Das ist dann aber nur der erste Schritt.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “In einem zweiten Schritt muss dann geguckt werden, wie weit eine Beeinträchtigung vorliegt, das geschieht regelmäßig durch einen Arzt. Er schaut sich dann den Versicherungsnehmer an und beurteilt dann, wie weit eine Beeinträchtigung dieses Gliedes, hier z.B. wie in unserem Beispiel des Daumens, tatsächlich vorliegt.”
  • Frau Gormanns:
    “Und dann kann es auch schon mal weniger als die 20 % aus der Gliedertabelle geben trotz des kompletten Verlustes des Daumens. Der Arzt wird von der Versicherung bestimmt, zumindest erstmal. Muss ich denn, was dieser Arzt sagt, immer so akzeptieren oder kann ich auch sagen als Versicherungsnehmer, dem der Daumen fehlt, nö der gibt mir nur 20 %, das will ich nicht.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Das sollte ich sogar tun. Regelmäßig sollte man die Einschätzung des Arztes, der von der Versicherung gewählt wurde, sehr kritisch beäugen. Im Zweifel sollte man sich auch eine Zweitmeinung einholen, wenn man der Ansicht ist, dass die von dem Arzt getroffene Invalidität und Funktionsbeeinträchtigung nicht mit dem übereinstimmt, was ich so empfinde, wie sie sich darstellt.”
  • Frau Gormanns:
    “Das ist ja ein sehr ernst gemeinter Tip von Ihnen als Anwalt.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Ich sage immer, die Versicherung ist nicht immer der Freund des Versicherungsnehmers.”
  • Frau Gormanns:
    “Hier kommt dann halt der Anwalt dazu, der dann eben hilft, im Zweifel kann er dann nämlich sehr gute Hilfestellung leisten, ob die Invalidität wirklich richtig berechnet wurde. Der Anwalt kann helfen, das nicht etwa bei unserem Beispiel Daumen schnell 5.000,00 € zu wenig ausgezahlt werden.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Regelmäßig ist Voraussetzung für die Leistung, dass eine dauerhafte Invalidität innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten ist. Das heißt, wenn eine Invalidität unfallbedingt ein Jahr plus einen Tag später eintritt, dann habe ich schon keine Leistungen mehr zu erwarten.”
  • Frau Gormanns:
    “Habe ich dann schlichtweg Pech gehabt?”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Wenn ich nachweisen kann, dass eine Invalidität innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten ist, diese Feststellung, die durch einen Arzt getroffen werden muss, aber erst nach 16 Monaten getroffen wird, dann hätte ich keinen Anspruch auf Leistung.”
  • Frau Gormanns:
    “Also Fristen, Fristen, Fristen, die man beachten und einhalten muss, sonst verliert man den Anspruch auf Leistung. Tritt im Verlauf eines Jahres die Invalidität auf, dann muss das innerhalb von weiteren drei Monaten von einem Arzt festgestellt werden bzw. worden sein. So ist das richtig. Entscheidend ist, was ein Jahr nach dem Unfall dann ist. Es gibt ein recht aktuelles Urteil vom BGH wann die sogenannte Erstbemessung der Invalidität vorgenommen werden muss.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Der Bundesgerichtshof hat gesagt, dass für die Erstbemessung der Invalidität es hinsichtlich Grund und Höhe grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Ablaufs der in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen vereinbarten Invaliditätseintrittsfrist ankommt.”
  • Frau Gormanns:
    “Jetzt bin ich ja schon seit heute Morgen 08:00 Uhr dabei. Was heißt das denn im Klartext? Ich verstehe es nicht.”
  • Rechtsanwalt Maubach:
    “Wenn in den Bedingungen steht, es muss eine Invalidität innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eintreten, dann wäre dieses Jahr der Maßstab für die Festlegung der Invaliditätshöhe.”
  • Frau Gormanns:
    “Das verstehe ich. Also immer schön genau lesen, was in den Verträgen der privaten Unfallversicherung drinsteht, wenn einem schon der Himmel auf den Kopf fällt, damit dann alles gut geregelt ist.”

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