Vorsorgevollmacht: Warum?

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Im besten Mix bei Radio 90,1 in „ein Fall für den Anwalt!“ Für den Notfall denken und sich selber absichern – wichtige Dokumente sind hier die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht. Markus Bungter, Fachanwalt für Familienrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner hier in Mönchengladbach – erst einmal „schönen guten Abend!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Guten Abend Frau Gormanns!“
  • Frau Gormanns:
    „Wann spricht man denn in diesem Zusammenhang eigentlich von einem Notfall?
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Wir sprechen über Notfälle, die eintreten können, zum Beispiel aus einem Unfall oder einer Erkrankung durch zum Beispiel einen Schlaganfall oder eine schwere Krebserkrankung. Wenn also am Ende ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen selber kund zu tun, wenn er also Bewusstseinstrübung hat oder Bewusstseinsstörung hat oder vielleicht sogar bewusstlos ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Ist das gesamt gesehen ein Thema, das so in Ihrer Praxis – ich sage einmal – recht häufig vorkommt?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Wir haben sehr viele Mandanten, die sich für das Thema interessieren, auch unter dem Oberbegriff vielleicht „Patientenverfügung“ und diese Mandanten suchen Rat, wie sie das richtig formulieren, worauf sie achten müssen und fühlen sich dann, nachdem wir das gemeinsam erstellt haben, einfach gut abgesichert, für einen Fall, wenn sie halt selber nicht mehr über ihre eigenen Dinge entscheiden können.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist ja jetzt nicht so etwas ganz Fröhliches, also ich kann mich nicht erinnern, dass man auf einer Party im saloppen Gespräch mit Freunden oder Bekannten darüber mal einen Smalltalk hält.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Man verdrängt das Thema tatsächlich von sich, weil man natürlich dort mit Dingen konfrontiert wird, die im normalen Leben eigentlich nicht gerne besprochen werden. Man spricht über Erkrankungen, man spricht über sehr schwere Erkrankungen, man spricht über Todesnähe, man spricht über Umstände, wo man dann vielleicht auch geregelt wissen möchte, dass man dann friedlich einschlafen kann und das sind sicherlich keine Themen, die man auf einem fröhlichen Beisammensein mit Freunden gerne anspricht.“
  • Frau Gormanns:
    „Wann kommen denn die Mandanten zu Ihnen, um über die Vorsorgevollmacht oder die Patientenverfügung zu sprechen?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Die meisten Mandanten kommen im Zusammenhang mit einem persönlichen Erlebnis, zum Beispiel, dass es den Eltern oder den nahen Verwandten, Bekannten, Freunden halt sehr schlecht geht und mit diesem Bereich eine Vorsorgeverfügung, eine Vorsorgevollmacht brauchte, damit ein Dritter für diese Bekannten, Verwandten handeln konnte.
    Dann sehen die Mandanten einfach für sich einen Anlass – „ach ja, so etwas könnte mir auch passieren, ich glaube, da muss ich mir Gedanken drüber machen, wie regel ich das denn?“
  • Frau Gormanns:
    „Sollte man aber eigentlich auch ohne Anlass tun. Das alles hat auch überhaupt nichts mit einem fortgeschrittenen Alter zu tun!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Richtig, das hat nichts mit einem gewissen Alter zu tun. Selbstverständlich ist es so, dass man im vorgerückten Alter eher Ausfallerscheinungen haben kann im Sinne davon, dass man schwer erkrankt oder dement wird, aber selbstverständlich können durch unglückliche Umstände eines Unfalls oder durch eine frühzeitige Erkrankung im Leben – eine Erkrankung ist ja immer schicksalhaft – Umstände eintreten, die es auch schon mit 30 Jahren vielleicht notwendig machen, dass eine Vorsorgevollmacht für einen genutzt werden muss.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer keine Vorsorgevollmacht hat und nicht mehr für sich selbst entscheiden kann, bei dem bestimmt ja dann das Gesetz, oder?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Wenn man keine Vorsorgevollmacht hat aber nicht mehr für sich selber bestimmen kann, zum Beispiel aufgrund einer Bewusstlosigkeit, dann wird von Gesetzeswegen ein Betreuer bestellt, das heißt, das Amtsgericht schaut, ob dieser Zustand bei einem vorhanden ist, also dass man bewusstlos ist, und bestellt dann jemand anderes, der dann für einen handelt, den so genannten gesetzlichen Betreuer!“
  • Frau Gormanns:
    „Da kann man dann als Ehepartner, Kind oder Enkel gar nichts mehr machen?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Gesetzliche Betreuer sollen per Gesetz aus dem Familienkreis bestimmt werden, das heißt, das Gericht soll einen nahen Angehörigen bestimmen, der diese Aufgabe übernimmt, aber man muss natürlich schauen, dass diese Person auch dazu selber in der Lage ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Also das heißt, derjenige, den das Gericht dann wählt aus der Familie, der muss die nötige Verantwortung mitbringen, der muss einen guten Leumund haben, in der Nähe des zu Betreuenden leben und er sollte auch ein entsprechendes Alter haben, also nicht selber schon im hohen Seniorenalter sein und die Person muss diese Vorsorgevollmacht auch ausüben wollen. Die Vorsorgevollmacht, das ist mein Thema hier bei Radio 90,1 in „ein Fall für den Anwalt!“ – gleich weiter und mehr zu diesem Thema. Alle Interviews mit unserem Experten Herrn Markus Bungter haben wir vor der Sendung aufgezeichnet!“

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