Urlaub: Übertragung, Entgelt, Geld

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Dass der Urlaub immer pro Kalenderjahr genommen werden muss, das haben wir auch schon gehört, Herr Müting, kann man denn auch die Ferientage ins neue Kalenderjahr mitnehmen, weil man wird sie ja nicht immer auf ein Kalenderjahr begrenzt bekommen. Kann man das übertragen? Es gibt da ja einen so genannten, habe ich gelesen im Bundesurlaubsgesetz aber nicht wirklich verstanden, Übertragungszeitraum. Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht von der Kanzlei RA Schleicher Maubach & Partner – Sie erklären mir das jetzt!“
  • Herr Müting:
    „Richtig, das ist die Zeit des folgenden Kalenderjahres bis zum 31.03. In diesen Übertragungszeitraum können Urlaubsansprüche dann genommen werden, wenn zum einen der Urlaub beispielsweise aus krankheitsbedingten Gründen, also in der Person des Arbeitsnehmers liegenden Gründen, nicht genommen werden konnte oder aber wenn dringende betriebliche Erfordernisse es nicht ermöglicht haben, den Urlaub noch zu nehmen.“
  • Frau Gormanns:
    „Das kann man nicht von vorne herein so vereinbaren und sagen, so ich nehme jetzt 2014 gar nichts, dafür aber 2015 bis März meinen gesamten Urlaub, also acht Wochen – pro Jahr vier Wochen. Das geht nicht. Da muss ein gesetzlicher Rahmen, wie Sie das eben erwähnt haben, vorhanden sein. Was ist denn, wenn der Arbeitnehmer beispielsweise richtig lange krank ist, also auch den Urlaub im Übertragungszeitraum gar nicht mehr nehmen kann?“
  • Herr Müting:
    „Die neue Rechtsprechung hat dann allerdings, ausgelöst durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, jetzt eine neue Regelung dort gesehen. Der Anspruch verfällt nicht, wenn ich also länger arbeitsunfähig erkrankt bin, auch über den Übertragungszeitraum hinaus. Aber es ist quasi eine neue Frist eingeführt worden. Ich muss dann den Urlaub spätestens 15 Monate nach dem eigentlichen Urlaubsjahr, in dem der Urlaub zu nehmen war, in Anspruch nehmen. Schaffe ich auch das nicht, weil ich wiederum erkrankt bin, dann kann der Urlaub verfallen.“
  • Frau Gormanns:
    „Kommen wir einmal zu etwas Schönem, dem Urlaubsentgelt, D.h. während ich am Strand auf Mallorca liege, wird mein Gehalt/mein Lohn fortgezahlt. Trifft so auf alle zu, die jeden Monat das gleiche verdienen, sonst geht es anders!“
  • Herr Müting:
    „Richtig, also die letzten 13 Wochen. Was die Höhe des Arbeitsentgeltes angeht, schaut der Gesetzgeber darauf, was in den 13 Wochen – also in den letzten drei Monaten- kurz gesagt, verdient wurde. Gezahlt wird das Urlaubsentgelt natürlich für die Zeit, für die Urlaub in Anspruch genommen wurde, da muss ich also schauen, welche Arbeitstage ausgefallen sind.“
  • Frau Gormanns:
    „Einmalzahlungen, Überstunden und Spesen die fallen bei dieser Berechnung raus. Die andere Sache ist das Urlaubsgeld. Das ist nur auf Grundlage einer zusätzlichen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu zahlen, was ist denn das?“
  • Herr Müting:
    „Also wenn entweder im Arbeitsvertrag etwas über das Urlaubsgeld vereinbart ist oder in einem Tarifvertrag Urlausgeldleistungen enthalten sind, nur dann bekomme ich ja überhaupt Urlaubsgeld und dann muss ich in die einzelne vertragliche oder tarifliche Regelung schauen und sehen, welche Voraussetzungen für das Urlaubsgeld vorliegen, wann es bezahlt wird und auch in welcher Höhe.“
  • Frau Gormanns:
    „Die so genannten Ausschlussfristen die müssen unter Umständen bei beiden, bei Urlaubsentgelt und auch Urlaubsgeld beachtet werden, wenn sie in einem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag stehen.“
  • Herr Müting:
    „Ausschlussfristen sind Fristen innerhalb derer ich, meistens unter schriftlicher Geltendmachung arbeitsvertragliche Ansprüche anmelden muss beim Arbeitgeber. Tue ich das nicht, verfallen die Ansprüche ggf., und das gilt eben auch für den Anspruch auf Urlaubsentgelt, also die Bezahlung während des Urlaubes also auch für das zusätzliche Urlaubsgeld!“
  • Frau Gormanns:
    „Ist das schlecht?“
  • Herr Müting:
    „Ja, ich muss nicht darauf vertrauen, dass der Arbeitgeber von sich aus dann irgendwann einmal zahlt, sondern ich muss dann, so gutmütig ich auch bin, irgendwann einmal zur Tat schreiten und zumindest schriftlich meine Ansprüche anmelden.“
  • Frau Gormanns:
    „Kann man sich den Urlaub eigentlich auch in € auszahlen lassen, also gar nicht nehmen?“
  • Herr Müting:
    „Wenn ich den Urlaub nicht mehr in Anspruch nehmen kann, weil das Arbeitsverhältnis beendet wird und nur aus diesem Grunde, dann besteht ein Anspruch auf Urlaubsabgeltung. Das ist ein reiner Geldanspruch, richtet sich letztendlich der Höhe nach an das so genannte Urlaubsentgelt und dann wird mir also dieser Urlaub ausgezahlt.“
  • Frau Gormanns:
    „Und auch wirklich nur dann, weil seelische Erbauung und Erholung… da sind wir wieder am Anfang. Das Wesentliche haben wir, glaube ich, Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht hier aus Mönchengladbach, vielen Dank, schön dass Sie da waren. Tschüss schönen Abend!“

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