Urlaub: Resturlaub & Krankheit

Urlaub: Resturlaub & Krankheit

  • Frau Gormanns:
    „Wir kümmern uns um den Urlaub, heute hier bei mir im Studio Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus der Kanzlei Schleicher Maubach & Partner.
    Der Jahresurlaub für Arbeitnehmer und ähnliche Gruppen ist ja auf eine knappe Formel erst einmal reduziert bzw. zusammenzufassen.“
  • Herr Müting:
    „Richtig, vier Wochen – das kann man sich leicht merken – ist der Mindestanspruch.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist recht einfach. Wer nie etwas ändert an seiner Arbeitszeit am Tag, in der Woche bei dem bleibt das auch so. Aber was ist, wenn jemand seine Stundenzahl reduziert auf einmal von 5 Arbeitstagen auf 3 Tage in der Woche runterfährt?“
  • Herr Müting:
    „Und wenn er dann noch Resturlaubsansprüche aus der Zeit hat, wo er 5 Tage gearbeitet hat, stellt sich die Frage – bekomme ich jetzt für jeden Arbeitstag den entsprechenden Resturlaub oder muss ich den Resturlaub dann auch von einer 5-/ auf die 3-Tage-Woche umrechnen.“
  • Frau Gormanns:
    „Tja und wie funktioniert es dann?“
  • Herr Müting:
    „Da gibt es ein relativ neues Urteil vom Europäischen Gerichtshof und der hat sich eben dann dafür entschieden, zu sagen, dass der Urlaubstag als Resturlaubsanspruch für jeden Arbeitstag zur Verfügung steht. Ich muss also nicht umrechnen, sondern habe diesen vollen Urlaubsanspruch aus dem alten Zustand noch zur Verfügung, was natürlich de facto dazu führt, dass ich etwas länger Urlaub zeitlich erhalte als ich das vorher in Anspruch nehmen konnte.“
  • Frau Gormanns:
    „Positiv für den Arbeitnehmer. Generell gilt, man muss immer den Zeitraum, den man wirklich arbeitet, bei der Vergabe des Urlaubs beachten.“
  • Herr Müting:
    „Dann muss ich für einen bestimmten Zeitraum ermitteln, welche durchschnittliche Arbeitszeit sich errechnet. Das kann sogar dazu führen, dass ich mir das ganze Jahr anschauen muss. Ich muss also dann ermitteln, wie viele Arbeitstage oder Werktage das Jahr hat. Da wird bei einer 5-Tage-Woche in der Regel von 260 Arbeitstagen ausgegangen und dann muss ich eben schauen, an welchen Tagen ich tatsächlich gearbeitet habe. Das ist dann meine anteilige Arbeitszeit und muss danach wiederum den Urlaubsanspruch quotal errechnen.“
  • Frau Gormanns:
    „Man muss auf jeden Fall ein bisschen gut rechnen können, ggf. auch umrechnen. Was ist denn wenn man während des Urlaubs arbeitsunfähig erkrankt, Herr Müting?“
  • Herr Müting:
    „Dann gibt es eigentlich den Grundsatz, dass ich während der Krankheit keinen Urlaub nehmen kann. Wenn ich also arbeitsunfähig erkrankt bin, kann ich auch für diese Zeit keinen Urlaub in Anspruch nehmen.
    Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass ich auch eine entsprechende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorweisen kann, denn nur für diese nachgewiesenen Tage kann ich dann auch ggf. nachträglich dafür sorgen, dass mein eigentlicher Urlaub dann noch ungekürzt zur Verfügung steht.“
  • Frau Gormanns:
    „Bin ich bereits in Urlaub, werde dann AU-mäßig arbeitsunfähig krank, dann muss ich das dem Arbeitgeber direkt mitteilen. Einfach die Woche der Erkrankung hinten dran hängen, das geht nicht, oder?“
  • Herr Müting:
    „Ich muss es mit dem Arbeitgeber vorher konkret abstimme. Aber vom Grundsatz her ist bei Krankheit erst einmal der Urlaub wieder neu zu erteilen. Der Arbeitgeber muss ihn also komplett neu festsetzen. Wenn er natürlich einverstanden ist, dass ich ihn dann noch eine Woche länger nach hinten verschiebe, ist das in Ordnung. Aber grundsätzlich muss der Urlaub komplett neu beantragt und festgesetzt werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Was ist denn eigentlich, wenn ich während des Urlaubs eine andere Beschäftigung ausübe?“
  • Herr Müting:
    „Ja, der Urlaub dient natürlich, wie wir alle wissen, der Erholung und davon geht auch das Bundesurlaubsgesetz aus. Also während des Urlaubs, das steht sogar ausdrücklich im Gesetz, darf der Arbeitnehmer keine Erwerbstätigkeit anderer Art durchführen, die dem Urlaubszweck in irgendeiner Art und Form entgegensteht. Er soll sich also erholen und nicht für andere Dritte arbeiten, das wäre unzulässig.“
  • Frau Gormanns:
    „Und ggf, wenn man dann auch noch böse auffällt, dann kann der Arbeitgeber einen schadensersatzpflichtig machen, also den Arbeitnehmer. Gleich mehr zum Urlaubsbundesgesetz und zu dem, wie man den Urlaub ganz konkret berechnet und was es sonst noch für besondere Fälle gibt.“

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