Urlaub: Anspruch & Wartezeit

Interview

  • „Radio 90,1 18:09 Minuten – viele denken jetzt schon wieder an den Urlaub, obwohl genauso viele vielleicht gerade erst Urlaub hatten über die Karnevalstage nämlich. Wichtig ist, jedem Arbeitnehmer dem steht auch Urlaub vom Arbeitsleben zu. Das dient der seelischen Erhebung und Erbauung. Ja schön – so heißt es im Bundesurlaubsgesetz. Da steht aber noch viel, viel mehr drin und genau darum geht es ja heute Abend. Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus der Kanzlei RA Schleicher Maubach & Partner hier aus Mönchengladbach ist mein Studiogast. Erst einmal schönen guten Abend Herr Müting!“
  • Herr Müting:
    „Ja, schönen guten Abend auch von mir!“
  • Frau Gormanns:
    „Ja, der Urlaub, der ist gesetzlich geregelt, da ist nix dran zu rütteln im Bundesurlaubsgesetz nämlich. Da wird das Minimum an Urlaubstagen festgelegt, die ein Arbeitnehmer im Jahr bekommen muss vom Arbeitgeber.“
  • Herr Müting:
    „Also der Mindesturlaubsanspruch, der im Bundesurlaubsgesetz geregelt ist, beträgt 24 Werktage, wobei bei diesen Werktagen von einer 6-Tage-Woche ausgegangen wird- also Montag bis Samstag. Letztendlich beträgt die Gesamtdauer des Urlaubs 4 Wochen.“
  • Frau Gormanns:
    „Ist wie mit den Knöllchen, da steht auch immer Werktags und da kann man eben auch samstags so ein Knöllchen kassieren. Wer jetzt nur von Montags bis freitags zur Arbeit geht, der muss ein bisschen umrechnen.“
  • Herr Müting:
    „Ich muss dann umrechnen diesen Gesamturlaubsanspruch von 24 Werkstagen. Wenn ich also nur 5 Tage arbeite, muss ich entsprechend quotal umrechnen. Man kann sich das am besten dadurch veranschaulichen, dass man behält, dass man 4 Wochen Mindesturlaub hat. Arbeite ich also nur 5 Tage, muss ich also 4 x 5 Tage rechnen, habe also dann einen Urlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also praktisch ist das dasselbe, kommt also aufs Gleiche raus und Ihr Tipp mit den 4 Wochen der ist richtig gut. Das kann man sich gut merken – mehr als 24 Werktage oder entspricht 20 Arbeitstage – wenn man da mehr bekommt, hängt dann vom Arbeitgeber oder vom Tarifvertrag ab bzw. von der individuellen Betriebsvereinbarung.“
  • Herr Müting:
    „Richtig, mehr geht immer. Der Gesetzgeber regelt eben nur den Anspruch, der als Mindestanspruch gewährleistet sein muss. Aber darüber hinaus kann der Arbeitgeber natürlich, wenn er seinen Arbeitnehmern etwas Gutes tun möchte, weiteren Urlaub gewähren und weitere Tage ausloben.“
  • Frau Gormanns:
    „Eins vergisst man oft bzw. vergessen Arbeitgeber oft…“
  • Herr Müting:
    „Ja, das gilt auch natürlich für Auszubildende. Das gilt insbesondere auch, was oft verkannt wird, für Teilzeitarbeitskräfte und auch für geringfügige Beschäftigungen. Also oftmals gibt es Fragestellungen, ob denn auch ein geringfügig Beschäftigter Urlaub erhält. Natürlich bekommt er Urlaub, er ist Arbeitnehmer im Rechtsinne und hat somit auch entsprechende Ansprüche, die eben die im Bundesurlaubsgesetz als Mindesturlaub geregelt sind.“
  • Frau Gormanns:
    „Also Teilzeit greife ich einmal auf – also auch wer Teilzeit arbeitet fällt unter das Bundesurlaubsgesetz?“
  • Herr Müting:
    „Richtig, auch dann habe ich einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 4 Wochen. Auch hier kann ich das relativ leicht ausrechnen. Wenn ich also nur an 3 Tagen in der Woche arbeite, habe ich also 4 x 3 Arbeitstage Urlaub, also 12 Arbeitstage. Würde ich die vollen 4 Wochen in Anspruch nehmen, müsste ich die 12 Arbeitstage ansetzen, würde aber dann natürlich 4 Wochen am Stück Freizeit erhalten.“
  • Frau Gormanns:
    „Man muss ein bisschen rechnen können, das merke ich schon. Aber im Gesetz ist noch viel mehr geregelt und festgelegt als nur die Gesamtdauer des Urlaubs. Wer z.B. einen neuen Job antritt, der kann nicht sofort mit einem Urlaub starten.“
  • Herr Müting:
    „Im Bundesurlaubsgesetz ist geregelt, dass ich erst einmal eine bestimmte Zeit absolvieren muss bevor ich den gesamten Urlaub in Anspruch nehmen kann und das ist die so genannte „Wartezeit“. Sie beträgt 6 Monate. Wenn ich also zuvor Urlaub nehmen will, kann ich das natürlich dann tun, wenn der Arbeitgeber einverstanden ist. Aber ich muss natürlich mit ihm sprechen, dass er mir dann schon vorzeitig Urlaub gewährt.“
  • Frau Gormanns:
    „Wichtig ist ja auch, dass man immer das Kalenderjahr betrachtet!“
  • Herr Müting:
    „Ja, der Urlaubsanspruch ist generell auf das Kalenderjahr bezogen. Ich kann also nicht irgendwie mal sagen, dass ich jetzt einmal von dem Kalenderjahr abweiche. Wie gesagt, im Bundesurlaubsgesetz ist das klar geregelt – Bezugspunkt ist immer das Kalenderjahr.“
  • Frau Gormanns:
    „Also sie streiten über den Urlaubsanspruch, das gibt es auch, oder über Urlaub generell vor dem Arbeitsgericht – aber das ist relativ selten, oder?“
  • Herr Müting:
    „Weil ja der Urlaub irgendwann genommen werden soll, streitet man beispielsweise darum, ob ich zu einem bestimmten Zeitpunkt Urlaub zu bekommen habe. Dann kann es natürlich sein, dass die lange Verfahrensdauer dazu führt, dass über diesen Anspruch erst entschieden wird, wenn der eigentliche Zeitraum schon vorbei ist. Da hilft man sich dann ab und an mit den so genannten „einstweiligen Verfügungen“, in dem eben in einem Eilverfahren geklärt wird, ob ich zu einem bestimmten Zeitpunkt Urlaub zu erhalten habe oder nicht!“
  • Frau Gormanns:
    „Das leuchtet ein – manchmal lohnt Streiten nicht, denn dann geht es gar nicht mehr um den Urlaub, den man haben wollte. Mehr Details rund um den Urlaub hören Sie gleich hier bei Radio 90,1 in „ein Fall für den Anwalt“!“

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