Unterversicherung & Diebstahl

Interview

  • Frau Gormanns:
    Radio 90,1 hier am Montagabend um kurz vor 19:00 Uhr. Oliver Maubach – Fachanwalt für Versicherungsrecht – aus der Kanzlei RA Schleicher Maubach & Partner ist hier bei mir im Studio – Herr Maubach, unser Thema ist ja die Hausratversicherung, wenn man unterversichert ist, dann kann das bei der Hausratversicherung im Schadenfall ganz schön blöd und ganz schön teuer werden!“
  • Herr Maubach:
    „Wenn ich einen Wert von 80.000 € für die Gegenstände in meiner Wohnung habe, tatsächlich aber nur 50.000 € versichert habe, dann wird mein Schaden, auch wenn er nur 20.000 € ist, im Verhältnis 5/8 gekürzt.“
  • Frau Gormanns:
    „Das heißt, auch wenn aus meiner Wohnung gar nicht so viel gestohlen wird, dann bekomme ich immer nur von diesen wenigen Gegenständen, die gestohlen worden sind, den prozentualen Anteil ausgezahlt von der Hausratversicherung. Deshalb ist eine Unterversicherung extrem riskant. Eben da haben wir ja schon den Diebstahl erwähnt, Herr Maubach, der wird ja abgedeckt durch die Hausratversicherung oder?“
  • Herr Maubach:
    „In den Versicherungsbedingungen zum Hausrat steht drin, dass bei Diebstählen Ersatz zu leisten ist. Davon ausgeschlossen ist aber der normale Diebstahl, d.h. wenn ich in einem Cafe sitze und meine Tasche hängen lasse und die weggenommen wird. Das ist kein Versicherungsfall, der von der Hausratversicherung zu ersetzen wäre.“
  • Frau Gormanns:
    „Dann war ich einfach unaufmerksam mit meiner Tasche und habe den Diebstahl quasi selber verschuldet. Bei einem Raub sieht das wieder anders aus, oder?“
  • Herr Maubach:
    „Bei der Hausratversicherung ist Raub z. Bsp. als Teil der Einschlüsse vorhanden, allerdings nicht der Trickdiebstahl. Der Trickdiebstahl unterscheidet sich vom Raub dadurch, dass der Trickdiebstahl ohne Gewalt vorgenommen wird.“
  • Frau Gormanns:
    „Das habe ich gut verstanden, die Rolex oder die Breitling, die mir ein Dieb vom Handgelenk klaut, die ist somit mitversichert über die Hausratversicherung. Wenn ich sie dem Dieb aber quasi schenke, weil er mich mit einem Trick übers Ohr gehauen hat, dann wieder nicht. Wohl darf man nie grob fahrlässig handeln. Sie haben da aber ein positives Beispiel für mich!“
  • Herr Maubach:
    „Genau, grob fahrlässig darf man natürlich nicht handeln: und zwar hatte jemand geklagt – ihm war in Neapel seine Rolex geklaut worden und zwar am hellichten Tage auf offener Straße. Das OLG hat aber dann gesagt, nein das wäre keine Fahrlässigkeit: denn die Uhr tragen darf er, darum war die Versicherung verpflichtet, den Schaden zu ersetzen.“
  • Frau Gormanns:
    „Das heißt für mich, Neapel ist kein verschrienes Pflaster mehr. Generell muss ich aber immer als Versicherter darauf achten, dass ich nichts mitverschulde, dann gibt es Ausschlüsse.“
  • Herr Maubach:
    „Es ist dann ausgeschlossen, wenn der Regen oder der Hagel durch ein offenes Fenster eindringt, da habe ich die Ursache selber gesetzt, da muss ich besser aufpassen, da zahlt die Hausratversicherung nicht.“
  • Frau Gormanns:
    „Da sind wir dann wieder bei der Wohnung, beim Haus – das ist dann aber immer so!“
  • Herr Maubach:
    „Wenn ich also meinen Verpflichtungen nicht nachkomme, kann die Versicherung sagen: „ich zahle nicht bzw. ich kürze meine Ersatzpflicht und zwar in dem Verhältnis, wo ich meine, dass dadurch Nachteile zu Lasten der Versicherung entstanden sind.“
  • Frau Gormanns:
    „Das gilt auch wieder beim Einbruch/Diebstahl in meiner Wohnung, in meinem Haus, oder?“
  • Herr Maubach:
    „Beim Diebstahl habe ich z. Bsp. eine Verpflichtung der Versicherung unverzüglich Meldung zu machen. Zu dieser Meldung gehört die Erstellung einer Liste, in der sämtliche Dinge, die mir abhandengekommen sind, die vielleicht auch beschädigt worden sind, aufgeführt werden müssen. Diese Liste muss ich auch gegenüber der Polizei angeben und zwar zeitnah.“
  • Frau Gormanns:
    „Es gibt noch jede Menge weitere Besonderheiten – ein Beispiel noch zum Schluss!“
  • Herr Maubach:
    „Es gibt noch eine Besonderheit in der Hausratversicherung, wonach der Versicherungsnehmer seine Wohnung, wenn er z. Bsp. für ein paar Monate in der kalten Jahreszeit nach Spanien/Mallorca entschwindet, verpflichtet ist, seine Wohnung zu heizen, dass ausgeschlossen ist, dass auch bei längerer Abwesenheit wasserführende Rohre einfrieren können.“
  • Frau Gormanns:
    „Das wissen eigentlich die Wenigsten aber das leuchtet total gut ein.
    Welchen Wert bekommt man denn eigentlich ersetzt vom gestohlenen bzw. beschädigten Gegenstand?“
  • Herr Maubach:
    „Die Hausratversicherung ersetzt den Zeitwert der Gegenstände. Ich kann mir einen gleichwertigen neuen Gegenstand kaufen!“
  • Frau Gormanns:
    „Also die Brotschneidemaschine, die mir gestohlen wird oder die mir beschädigt wird, die kann ich dann durch ein neues aber natürlich gleichwertiges Gerät ersetzen. Die Hausratversicherung ist jetzt wirklich ein abendfüllendes Thema. Lieben Dank, Herr Oliver Maubach, schön dass Sie da waren. Tschüss, schönen Abend noch!“

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