Trennungsjahr

Trennungsjahr

  • Frau Gormanns:
    „Radio 90,1 Montagabend mit „Ein Fall für den Anwalt“, hier im Studio ist Markus Bungter Fachanwalt für Familienrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner hier in Mönchengladbach. Wir haben uns, Rechtsanwalt Bungter, ja schon detailliert darüber unterhalten, wann eine Ehe als gescheitert gilt und welche Voraussetzungen die sich trennenden Eheleute einhalten müssen, um vor Gericht die Scheidung zu erwirken. Eine Grundvoraussetzung ist die Trennung von Tisch und Bett über einen Zeitraum von einem Jahr, es gibt da aber auch Ausnahmen?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „In besonderen Ausnahmefällen kann eine Ehescheidung auch schon vor Ablauf des Trennungsjahres ausgesprochen werden. Wenn das Gericht feststellen kann, dass eine ganz besondere Härte darin bestehen würde, an der Ehe festzuhalten. Dies ist dann der Fall, wenn einem Ehegatten, der die Scheidung beantragt, es nicht mehr zuzumuten ist, das Trennungsjahr abzuwarten.“
  • Frau Gormanns:
    „Was kann denn das ganz konkret sein?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Beispielhaft kann hier gesagt werden, dass eine schwere Straftat gegen den Scheidungswilligen begangen worden ist durch den Ehepartner, also z. Bsp. ein Tötungsversuch, oder aber auch ein sexueller Übergriff, aber natürlich auch Umstände, die das Festhalten an der Ehe unerträglich erscheinen lassen, z. Bsp. eine Diffamierung im Bekannten- und Freundeskreis, die eine Intensität hat, die letztlich so stark ist, dass man einfach an der Ehe nicht mehr festhalten kann.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist jetzt individuell sehr verschieden. Eine finanzielle Verschlechterung gilt hier ja nicht. Kommen wir nochmal zur Trennung als solche, sich einfach eine andere Wohnung zu suchen, das ist für den Richter nicht das Mittel schlechthin, um festzustellen, ob das Paar wirklich getrennt lebt oder nicht.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Die Trennung der Ehegatten kann ja auch durch andere Umstände erfolgen als durch den bloßen Auszug des Ehegattens, der sagt: „ich will nicht mehr an der Ehe/der Beziehung festhalten.“ – das kann ja auch seinen Grund z. Bsp. darin haben, dass die Ehegatten ehedem höchst selten oder vielleicht gar nicht zusammen leben, z. Bsp. dann wenn ein Ehegatte eine längere Haftstrafe verbüßen muss oder aber in einem Pflegeheim lebt, dann braucht es andere äußere Umstände um feststellen zu können, dass die Trennung tatsächlich eingesetzt worden ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Das sind die eben erwähnten anderen Umstände. Auch ganz, ganz wichtig – man kann auch das Trennen von Tisch und Bett in der gemeinsamen Wohnung, in dem gemeinsamen Haus vollziehen, geht und ist erlaubt. Was wenn man dann doch einmal nachts im selben Bett schläft?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Dann zählt es nicht, denn dann habe ich letztlich keine gelebte Trennung. Die Trennung bedeutet tatsächlich, dass jeder für sich dem Grunde nach selber wirtschaftet, d.h. selber kocht, selber die Wäsche versorgt. Natürlich sind gemeinsame Räumlichkeiten auch weiter gemeinsam zu nutzen, man muss deshalb nicht getrennt Fernsehen schauen.“
  • Frau Gormanns:
    „Man darf aber offiziell im ersten Trennungsjahr die Liebe noch einmal – ich sage mal so salopp – aufflammen lassen und sich dann trotzdem wieder trennen ohne wieder bei 0 Monaten anfangen zu müssen gemessen aufs Trennungsjahr jetzt!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Also es ist so, dass der Gesetzgeber ganz ausdrücklich die Ehe und die Familie schützt und deshalb sind Versuche, die Ehe noch einmal zu kitten selbstverständlich in keiner Weise schädlich, wobei hier eine Dauer von max. drei Monaten angenommen wird, die man also noch einmal innerhalb des Trennungsjahres miteinander versuchen kann, wenn es dann aber nach round about drei Monaten scheitert, nimmt man den Startzeitpunkt des Trennungsjahres da, wo die erste Trennung war.“
  • Frau Gormanns:
    „Hier muss man gut rechnen können, wenn man sich dann doch trennen möchte rechtzeitig. Gibt es eigentlich auch die Möglichkeit, dass ein Richter eine Ehe trotz aller eingehaltenen Voraussetzungen gar nicht scheiden kann?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Es gibt einen Pragraphen der sagt, dass wenn die Scheidung eine ganz besondere schwere Härte für einen der Ehegatten oder für einen anderweitig Beteiligten darstellt, die Ehe dann nicht geschieden wird. Das muss der Richter gesondert feststellen. Es handelt sich hier um einen sehr, sehr seltenen und besonderen Ausnahmefall, der z. Bsp. dann gegeben ist, wenn ein Ehegatte schwerst erkrankt ist, z. Bsp. an Multipler Sklerose und die Ehescheidung ihn emotional so sehr belasten würde, dass ein weiterer schwerer Krankheitsschub dadurch verursacht werden würde.“
  • Frau Gormanns:
    „Gibt es da noch mehr Gründe?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Ein anderes Beispiel wäre der Fall, wenn z. Bsp. wenn ein Kind sagt: „wenn ihr euch scheiden lasst, bringe ich mich um!“ – und dann ist ja völlig klar, wenn das ernstlich ist, wenn das tatsächlich eintreten könnte, dass dann die Ehescheidung einen solch schweren Härtefall darstellt, dass ein Gericht davon absehen kann, die Ehe zu scheiden.“
  • Frau Gormanns:
    „Noch einmal – das alles sind sehr, sehr seltene Fälle, kommen in der Praxis so gut wie gar nicht vor und auch hier gilt mal wieder, wirtschaftliche Folgen, dass man nach einer Scheidung nicht mehr so viel Geld wie gewohnt zur Verfügung hat, zählen nicht. Gleich mehr hier zum Thema „Scheitern der Ehe und Scheidung“.

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