Scheidung & gemeinsamer Anwalt

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Ein Fall für den Anwalt. Wir haben heute ein richtig tolles Thema zum Jahresauftakt der Sendung: Es geht um Irrtümer im Rechtswesen. Markus Bungter Fachanwalt für Familienrecht von den Vitus Rechtsanwälten aus Mönchengladbach. Wir starten mit dem nächsten Irrtum:
    Irrtum: Ehepaare können sich bei der Scheidung von einem gemeinsamen Rechtsanwalt vertreten lassen.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das stimmt nicht. Ich erlebe leider häufiger, dass Ehegatten, die sich getrennt haben oder trennen möchten, und eigentlich dabei völlig einvernehmlich sind, gemeinsam in die Sprechstunde kommen und dann von mir als einem Anwalt für Beide, vertreten werden möchten. Rechtlich ist das nicht erlaubt.“
  • Frau Gormanns:
    „Aber wenn doch alles so einvernehmlich und freundschaftlich ist und genauso geregelt werden soll, warum denn nicht?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Weil man nicht absehen kann - am Anfang des Mandates - ob denn immer alles einvernehmlich bleibt,  sollte man  von vornherein den Ehegatten klar sagen, dass man nur einen vertreten kann und der andere sich einen Kollegen suchen sollte, der seine Interessen dann im Rahmen dieser Trennung und Scheidung vertritt.“
  • Frau Gormanns:
    „Scheidungskosten sparen kann man also nur, wenn einer ganz auf anwaltlichen Beistand verzichtet. Der Anwalt selbst macht sich zudem strafbar, wenn er beide Eheleute gemeinsam vertreten würde, oder Herr Bungter?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Hier handelt sich hier um eine Straftat, die im Strafgesetzbuch mit Gefängnisstrafe geahndet wird, das heißt noch nicht mal eine Geldstrafe kommt da für den Berater in Betracht, sondern ausschließlich eine Haftstrafe, wenn dies öffentlich wird.“
  • Frau Gormanns:
    „Nächster Irrtum:
    Irrtum: Ehepartnern gehört alles gemeinsam, wenn sie keinen Ehevertrag haben.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Falsch, im Rahmen einer Eheschließung wird üblicherweise kein Ehevertrag unmittelbar abgeschlossen, sondern man heiratet und ist dann qua Gesetz im sogenannten Güterstand der Zugewinngemeinschaft.“
  • Frau Gormanns:
    „Ja und was bedeutet das?““
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Zugewinn klingt zunächst mal so, als ob alles was dann erworben wird, gemeinsam gehört. Das ist aber nicht so. Zugewinn meint allein den Zugewinn in der Zeit zwischen Heirat und dem Ende der Ehe, ob nun    durch Ehescheidung oder Tod eines Ehegatten. Aber Zugewinn bezieht sich jeweils nur auf einen Ehegatten.“
  • Frau Gormanns:
    „Also der Begriff selber ist ja hier oft das Problem. Den kann man ganz schön schnell missverstehen.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das heißt, wenn ein Ehegatte während der Ehe Vermögen hinzuerwirbt, zum Beispiel das er im Lotto gewinnt oder das er ein Haus erbt oder einfach ganz viel Geld verdient, dann ist es erstmal sein Lottogewinn, sein Haus und sein Einkommen mit dem er sein Vermögen einfach geschaffen hat.“
  • Frau Gormanns:
    „Bei der Zugewinngemeinschaft muss keiner für den anderen aufkommen oder?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Ja, ein Ehegatte, der für sich selber Geschäfte tätigt in seinem eigenen Namen, der haftet selbstverständlich auch alleine dafür Da muss der andere Ehepartner nicht mit dafür zahlen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also das heißt, der der unterschreibt, der haftet auch alleine.
    Irrtum: Man muss die Schulden seines Ehepartners bezahlen.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Stimmt nicht. Wo auch nur einer den Kreditvertrag unterschrieben hat, haftet auch nur einer gegenüber der Bank für die damit eingegangene Schuld."
  • Frau Gormanns:
    „Das totale Gegenteil der Zugewinngemeinschaft ist übrigens die Gütergemeinschaft. Diese Rechtsform ist selten und, Herr Bungter, vor dieser Rechtsform warnen sie so ein bisschen.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Ich hab sie in meiner Ausübung bisher noch kein einziges Mal tatsächlich bearbeiten müssen und das ist im Ende auch gut so, denn diese Regeln sind mehr wie komplex und sehr unhandlich im täglichen Leben und insbesondere auch im Rahmen einer erbrechtlichen Auseinandersetzung kaum vernünftig zu händeln“
  • Frau Gormanns:
    „Das sollte man also einfach lassen. Rechtsirrtümer bei Radio 90.1 - noch mehr Irrglauben gibt es hier bei uns nach unseren Lokalnachrichten um halb sieben."

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