Sachverständige: Wahrheit und Haftung

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Viertel vor sieben am Montagabend – „ein Fall für den Anwalt“ hier bei Radio 90,1. Hermann-Martin Klein, Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner – Sachverständige vor Gericht, das ist das Thema heute – wird denn eigentlich dem Sachverständigen vor Gericht immer geglaubt? Das interessiert mich total!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Ich sage mal, in über 90 % der Fälle wird dem Sachverständigen wohl geglaubt. Natürlich haben die Parteien und das Gericht selbst nicht die nötige Fachkenntnis, um die Frage zu entscheiden aber man darf auch den Sachverständigen alles fragen, was einem nach dem Gutachten noch unklar ist!“
  • Frau Gormanns:
    „Also man kann den Sachverständigen wirklich alles fragen?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Man darf ihn auch fragen: „woher haben Sie das, aus welchem Lehrbuch ist das und wer vertritt denn diese Lehre?“ Man kann der Sache schon ganz gezielt auf den Grund gehen, wenn man Zweifel hat und wenn man sich ganz am Ende immer noch schlecht bedient fühlt, kann man zur Not natürlich auch noch ein Gegengutachten einholen, was man allerdings nur tun sollten, wenn man sich vorher auch schon entsprechend gut vorbereitet hat in der Hoffnung, dass dieses Gutachten dann besser ausfällt.“
  • Frau Gormanns:
    „Dass dann aber auch nur mit einem Grund, oder?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Ja, also man muss schon irgendwo dran fühlen können, dass dieses eine Gutachten vielleicht nicht ganz optimal ist!“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt ist es ja so, dass der Sachverständige haftet und zwar dann, wenn sein Gutachten vielleicht doch fälschlich war oder Falsches enthalten hat!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Diese Haftung besteht allerdings erst seit Kurzem, sie ist erst seit einigen Jahren über den § 839 a BGB in das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt worden und besagt tatsächlich, dass ein Sachverständiger, der vorsätzlich oder grob fahrlässig ein falsches Gutachten abliefert, für die Folgen auch zu haften hat. Das gab es eben vorher bedauerlicherweise noch nicht, da waren diese Sachverständigen nahezu vogelfrei.“
  • Frau Gormanns:
    „Also für uns, ganz normale Bürger, die vor Gericht vielleicht einmal so einen Sachverständigen brauchen oder der Richter den empfohlen hat, weil er selber nicht weiter kam, ist das ja etwas Positives, dass die Haftung jetzt beim Sachverständigen liegt.“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Ja, selbstverständlich und führt mit Sicherheit auch dazu, dass der Sachverständige sich nicht leichtfertig von irgendjemanden vor seinen Karren spannen lässt.“
  • Frau Gormanns:
    „Aber trotzdem gibt es doch sicherlich auch gekaufte Sachverständige, oder?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Das soll es sicherlich immer mal wieder geben, dass ein Sachverständiger nicht widerstehen kann. Man muss ihm dann aber schon nachweisen, dass er wirklich etwas falsch gemacht hat. Dafür gibt es eben genügend konkurrierende Sachverständige, die das wahrscheinlich gerne tun werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Sie sagen das so zögerlich, kommt das häufig vor beziehungsweise haben Sie so etwas schon einmal in Ihrer Praxis erlebt, einen gekauften Sachverständigen?“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Nein, so etwas habe ich in meiner Praxis noch nicht erlebt.“
  • Frau Gormanns:
    „Also, halten wir einmal fest, das ist auf gar keinen Fall die Regel, der gekaufte Sachverständige, sondern eher eine echte wahre Ausnahme. Alles rund um den Sachverständigen vor Gericht, das war hier in „ein Fall für den Anwalt“ bei Radio 90,1 unser Thema am Abend. Hermann-Martin Klein Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner. Erst einmal lieben Dank für die Infos, schönen Abend!“
  • Rechtsanwalt Klein:
    „Vielen Dank und auf Wiederhören!“

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