Reiserecht Neuerungen (2)

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Frank Raupach, Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner in Mönchengladbach, klärt uns ja auf, was im Reiserecht geht und was nicht geht. Stichwort: Entgangene Urlaubsfreuden! Was ist denn das, Herr Raupach, und was muss dann vorliegen, um bei einer Pauschalreise Geld erstattet zu bekommen vom Reiseveranstalter?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Neben den allgemeinen Minderungsansprüchen, wie Schimmel im Badezimmer oder defekte Toilette oder defekte Klimaanlage, kann der Kunde auch, über diese Minderung des Reisepreises hinaus, Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude dann verlangen, wenn die Gesamtheit der Mängel, die eben beschrieben worden sind, 50% des Reisepreises übersteigen. Dann kann zusätzlich noch Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude verlangt werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Es gibt eine Klausel, wonach die 50% berechnet werden. Wer also erhebliche, echte Mängel hat, der sollte diese ordentlich dokumentieren und dann beim Veranstalter einreichen. Seit Mai diesen Jahres. gibt es die Pauschalreise-Richtlinie von der EU aus Brüssel. Was steht denn darin, Herr Raupach?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Da ist zugunsten der Reisenden der Begriff der Pauschalreise ausgeweitet worden. Insofern als z.B. der Besuch eines Hotels als Pauschalreise gilt, wenn das Hotel weitergehende Angebote über die Übernachtung hinaus, z.B. Theaterbesuche, geführte Ausflüge o.ä. anbietet und diese Mehrleistung über 25% des Gesamtpreises ausmachen. Dann sagt die Richtlinie, dass wir eine Pauschalreise haben. Das ist also neu.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer z.B. einen Trip ins Phantasialand, in den Europapark oder nach Efteling bucht, Hotel inkl. Eintrittskarte, für den könnte das schon gelten; selbst, wenn man individuell gebucht hat. Was auch neu ist, wenn über bestimmte Portale gebucht wird, wie z.B. Aldi, Lidl, Tchibo oder so, dann haften die auch zukünftig für die Pauschalreise.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Sie sollen nach der neuen Reiserichtlinie also auch nicht mehr nur als Vermittler gelten, sondern zukünftig wie Reiseveranstalter selbst haften.“
  • Frau Gormanns:
    „Und da muss man dann auch Schäden einreichen, anzeigen, also bei Aldi, Lidl, Tchibo usw.
    Haben Sie da schon Erfahrung, Herr Raupach?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Nein, das ist also sehr neu!“
  • Frau Gormanns:
    „Dann widmen wir uns mal der Individualreise! Da organisiert man ja alles selber; hier hat es eine Änderung in der Fluggastrechteverordnung gegeben. Was ist geändert worden?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Eine Änderung im eigentlichen Sinne hat nicht stattgefunden. Es ist schon voriges Jahr beabsichtigt worden, die Ansprüche der Reisenden zu beschränken. Bisher galt ja Entschädigungszahlung bei mehr als dreistündiger Verspätung. Das sollte also auf fünf Stunden abgeändert werden. Das ist aber nicht so gekommen. Bisher ist diese EWG-Verordnung noch nicht durchgekommen. Das ist also noch in der Mache!“
  • Frau Gormanns:
    „Okay, ich dachte dieses Jahr wäre es dann endlich mal soweit; das hört man jetzt jedes Jahr. Aber im Moment gelten noch die alten zeitlichen Grenzen; trotzdem ist das noch wichtig: Die Fluggesellschaften fahren eine Taktik des Wartens, wenn man eine Entschädigungszahlung, weil verspätete Flüge einen dann zum Urlaubsziel gebracht haben, beantragt, haben Sie mir erzählt. Wie sieht das denn aus?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Ja, das ist ein sehr prekäres Kapitel! Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass viele Flugunternehmen alles erdenkliche unternehmen, um die berechtigten Ansprüche der Fluggäste zu unterlaufen. Die Kunden werden regelmäßig hingehalten, durch monatelanges Schweigen oder keine bzw. verzögerte Reaktion auf Anspruchsschreiben, falsche oder unverständliche Auskünfte…“
  • Frau Gormanns:
    „Warum tun die das?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Regelmäßig hat das zum Ziel, den Kunden von der Weiterverfolgung seiner Ansprüche abzuhalten, was auch vielfach erfolgt. Also viele Kunden werfen dann irgendwann das Handtuch, weil es ihnen einfach zu lästig ist, die Sache weiterzuverfolgen und das ist natürlich eine sehr bedenkliche Entwicklung.“
  • Frau Gormanns:
    „Was raten Sie denn Kunden, denen es so passiert?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Ja, ich rate den Kunden dann dringend, am Ball zu bleiben und notfalls anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn die Fluggesellschaften kalkulieren das ein, dass die Kunden „weich“ werden und ihre Ansprüche nicht weiter verfolgen und das bringt der Airlines insgesamt gesehen erhebliche Zusatzeinnahmen, im mehr als sechsstelligen Bereich, ein.“
  • Frau Gormmans:
    „Hart bleiben und am Ball bleiben und anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen! Der Reiserücktritt ist gleich unser Thema hier, nach den Lokalnachrichten, in ‚Ein Fall für den Anwalt‘ bei Radio 90,1.“

Benötigen Sie unterstützung? Fragen Sie nach einer unverbindlichen Ersteinschätzung oder vereinbaren einen Termin zur Beratung.

02161 9203-0
Beratungstermin Vereinbaren