Reiserecht Neuerungen (3)

Reiserecht Neuerungen (3)

  • Frau Gormanns:
    „Radio 90,1 am Montagabend, ‚Ein Fall für den Anwalt‘, Reiserücktritt, also dass eine Urlaubsreise nicht angetreten werden kann, das kann ja vorkommen. Frank Raupach, Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher, Maubach & Partner, was ist denn hier beim Reiserücktritt so grundsätzliches zu beachten?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Also grundsätzlich gilt natürlich, wenn eine Reise nicht angetreten werden kann, weil diese wegen außergewöhnlicher Umstände storniert wird, erhält der Fluggast sein Geld zurück.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist ja schon einmal ganz positiv und wenn der Kunde, aus welchen Gründen auch immer, die Reise nicht antreten will, was ist dann?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Auch hier hat der Bundesgerichtshof durch eine neue Entscheidung Schranken gesetzt. Die pauschalierten Stornogebühren, je nach Zeitpunkt des Rücktrittes, dürften in der bisherigen Form nicht mehr zulässig sein.“
  • Frau Gormanns:
    „Für den Reiseveranstalter wird es jetzt kompliziert.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Der Reiseveranstalter muss vielmehr nun, die unterschiedlichen Reisearten, wie Schiffsreisen, Flugreisen oder Busreisen so differenzieren und die bei einer bestimmten Reiseart als gewöhnlich ersparten Aufwendungen so kalkulieren, dass die Stornogebühr ein Level erreicht, der die normale wirklich entstandene Entschädigungsvorraussetzung nicht überschreitet. Das heißt also, damit entfällt zwar grundsätzlich nicht die Möglichkeit Stornopauschalen festzusetzen, sie müssen aber je nach Reiseart künftig genau auskalkuliert werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Das klingt kompliziert, aber eher aus Sicht des Reiseveranstalters. Für den Reisenden selber wird es positiver. Trotzdem gilt nach wie vor, wer ganz sicher gehen möchte, der sollte was tun?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Der sollte eine Reiserücktrittsversicherung abschließen, je nach Umfang und Dauer der Reise. Die wird dann im Falle eines unverschuldeten Umstands, der im Bereich des Reisenden liegt, die entstehenden Stornokosten erstatten.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer plötzlich erkrankt oder zum Beispiel, wenn es einen Todesfall in der Familie gibt, was ist dann?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Allerdings bei chronischen Erkrankungen, welche schon vor Abschluss der Versicherung ärztlich behandelt wurden, findet keine Erstattung durch die Reiserücktrittsversicherung statt, wenn plötzlich ein akuter Fall auftritt, der auf der chronischen Erkrankung beruht.“
  • Frau Gormanns:
    „Ansonsten plötzliche Erkrankung, Todesfall wird natürlich Reiserücktrittsrecht in Kraft treten, sprich bei einer abgeschlossenen Versicherung, die das auch übernehmen. Wie ist es, wenn ich jetzt mit der Bahn reise? Dann gibt es ja bestimmt ganz andere Voraussetzungen. Bei der Bahn wird es aber kompliziert. Man muss, wenn es eine Verspätung gibt, sich das bestätigen lassen in dem Reiseshop. Auch da gibt es so Staffelungen! Wer mit der Bahn verreist, für den gelten besondere Richtlinien. Da gibt es auch eine EU-Fahrgastrechteverordnung, so heißt das Ding, die die Verspätung regelt. Die Sonderverordnung bei BahnCard, Rail&Fly, Zeitkarten und so, die haben wir gerade schon angesprochen, also da wird es richtig kompliziert, dass Sie sagen, Herr Raupach, am besten im Internet über bahn.de Fahrgastrechte anklicken, da wird man dann für jeden kleinen Fall und Sonderfall dann auch informiert, aber es ist ja auch so, dass es bestimmte Dinge gibt, für die gibt es gar nichts, keine Entschädigung.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Also keine Entschädigung wird natürlich fällig, wenn die Verspätung bereits vor dem Ticketverkauf angekündigt wurde, der Fahrgast also vorher informiert war. Wenn er dann das Ticket kauft, ist es sein eigenes Risiko.“
  • Frau Gormanns:
    „Auf die beschränken wir uns jetzt mal, auf die wo es keine Rechte gibt. Bei der Bahn kann der Reisende aber auch ganz flott und problemlos die Reise gar nicht erst antreten, oder?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Also wenn die erwartete Verspätung mehr als 60 Minuten beträgt, dann kann der Reisende zurücktreten und erhält seinen Reisepreis zurück.“
  • Frau Gormanns:
    „Im Nachtverkehr bei der Bahn gibt es immer auch separate Regelungen. Das wollten Sie ganz wichtig herausstellen.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Für den Nachtverkehr gelten Sonderregelungen. Bei einer Verspätung der Bahn von mindestens 60 Minuten zwischen 00:00 Uhr und 05:00 Uhr kann der Fahrgast zusätzlich andere Verkehrsmittel wie Bus oder Taxi in Anspruch nehmen. Der Mehraufwand insoweit wird bis zu der Höhe von 80,00 € erstattet. In Extremfällen kann er auch Übernachtungskosten geltend machen. Die sind dann auch erstattungsfähig.“
  • Frau Gormanns:
    „Auch hier, egal ob Tag oder Nacht, gibt es Fälle, die niemals bei der Bahn entschädigt werden.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Natürlich ist eine Verspätungsregelung dann ausgeschlossen, wenn die Verspätung durch den Reisenden selbst verursacht wurde, das versteht sich von selbst, oder von einem dritten verursacht wurde, auf den die Bahn keinen unmittelbaren Einfluss hat oder wenn die Verspätung auf einem äußeren, nicht zum Bahnbetrieb gehörenden Umstand, beruht, z.B. Streiks oder höhere Gewalt.“
  • Frau Gormanns:
    „Ja und wenn der Fahrpreis mit der Bahn bis zu vier Euro hoch ist, dann wird auch nicht entschädigt, weil man sagt, dass der Betrag, der ausgezahlt wird, zu gering ist und die Verwaltungsgebühren viel zu hoch. Mehr zu dem Thema ‚Reiserecht‘ gleich hier nach der nächsten Musik hier in ‚Ein Fall für den Anwalt‘.“

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