Reiserecht Neuerungen (1)

Reiserecht Neuerungen (1)

  • Frau Gormanns:
    „Wohin auch immer die Ferienreise gehen kann, man kann auf jeden Fall eine ganze Menge im Urlaub erleben und erfahren. Mängel und Beschwerden gehören manchmal ja auch dazu, wenn denn Tatbestände vorliegen, die nicht zumutbar sind; dann kann man die anzeigen und gegebenenfalls eine Erstattung in prozentualer Höhe vom Reisepreis für die Reise zurückbekommen.
    Also, das ist was, das weiß glaube ich mittlerweile jeder; Frank Raupach, Rechtsanwalt aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner, darum geht’s jetzt erst einmal – erstmal schönen guten Abend!“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Ja, guten Abend Frau Gormanns!“
  • Frau Gormanns:
    „Es muss ja mal unterschieden werden zu Beginn zwischen einer Pauschalreise und einer Individualreise, denn da ist auch die Rechtsprechung, das Geltendmachen eventueller Beschwerden unterschiedlich, eben je nach Art der gemachten oder angetretenen Reise.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Die rechtlichen Konsequenzen sind erheblich. Die Pauschalreisen sind besonders im Gesetz geregelt, während die Individualreisen sich je nach dem Reisevertrag, den man individuell mit dem Hotel und dem Reiseunternehmen, also dem Busunternehmen oder der Bundesbahn oder mit dem Flug, abschließt.“
  • Frau Gormanns:
    „Das muss man erstmal wissen, und je nachdem heißt das im Einzelnen genau was, Herr Raupach?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Das heißt also, die Ansprüche richten sich bei der Pauschalreise gegen den Reiseveranstalter insgesamt, während bei der Individualreise die Ansprüche, je nachdem wo Mängel vorkommen, gegen den bestimmten Unternehmer bzw. das bestimmte Unternehmen geltend zu machen sind, z.B. das Hotel direkt oder das Transportunternehmen oder vor Ort Ausflugsunternehmen und sonstiges.“
  • Frau Gormanns:
    „Heute geht es ja ausschließlich um Neuerungen im Reiserecht. Wir starten mit den Pauschalreisen. Folglich lautet meine erste Frage so: „Was ist neu und was muss bei der Buchung einer Pauschalreise beachtet werden?“ Das ist nämlich ganz aktuell!“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Der BGH hat erneut entschieden, dass die Anzahlung, die regelmäßig vom Veranstalter verlangt wird, nicht über 20% des Reisebetrages betragen darf.“
  • Frau Gormanns:
    „Vereinbarungen darüber hinaus sind dann in der Regel unwirksam.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Das gleiche gilt auch für Klauseln die eine vollständige Zahlung des Reisepreises früher als 30 Tage vor Reiseantritt verlangen. Diese sind also auch unangemessen und werden von der Rechtsprechung nicht anerkannt.“
  • Frau Gormanns:
    „Was mache ich denn eigentlich, Herr Raupach, ganz konkret, wenn eine Reise gebucht ist und der Reiseveranstalter möchte schon, ich sage einfach mal 2 Monate im Voraus, den kompletten Reisepreis überwiesen haben?“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Dann würde ich empfehlen 20% zu überweisen und auf die entsprechende Rechtsprechung hinzuweisen.“
  • Frau Gormanns:
    „ … Und schon ist der Fall vom Tisch! Denn genau das – und auch nur das – ist zulässig. Kommen wir mal zu den klassischen Problemen: Mein Zimmer im Hotel, der Pool, das Essen, der Service – das alles ist nicht so wie ich das im Reiseprospekt gelesen habe. Man kann für viele Dinge eine Entschädigung verlangen, wenn man richtig dokumentiert, das richtig anzeigt. Es gibt aber auch Positionen, die kann man gar nicht erst auflisten und aufzeigen bzw. geltend machen. Das kommt aber immer wieder und auch kurioser Weise vor.“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „Ja, das sind diese so genannten ‚Bagatellfälle‘, beispielsweise, wenn der Reisende rügt, dass elektrische Leitungen nicht unter Putz verlegt sind oder, was auch vielfach vorgekommen ist, dass sich Reisende in einer All-Inklusiv-Anlage weigern, dass Plastikarmband zu tragen, das Hotel ist am Friedhof gelegen oder Mückenstiche während des Hotelaufenthaltes – ja, das ist alles schon da gewesen.“
  • Frau Gormanns:
    „Ich finde das ja ganz spannend, für mich ist das eigentlich unglaublich, aber es geht noch weiter!“
  • Rechtsanwalt Raupach:
    „…Oder nicht genügend Liegen für alle Hotelgäste, was auch nicht selten vorkommt. Skurriles Beispiel ist, dass gerügt worden ist, dass auf einer Winterhütte keine Sektgläser vorhanden waren oder das frühmorgendliche Krähen von freilaufenden Hähnen in der Nähe des Hotels oder auch behinderte Menschen im Hotel, sowie auch Diebstahl aus dem Hotelzimmer, wenn man die Wertsachen nicht besonders in die Obhut des Hotels gegeben hat oder aber auch z.B. 80% Russen oder Ausländer im Hotel; also man hat keinen Anspruch darauf, dass nur Deutsche irgendwo im Ausland im Hotel sind; das muss dann also so hingenommen werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Ich finde das total lustig, ich muss mich hier grade völlig zusammenreißen, um nicht los zu prusten. Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Das kann man natürlich alles nicht anzeigen! Entgangene Urlaubsfreuden, wenn denn wirklich begründet, gibt es aber wirklich und das dann auch zu Geltendmachung. Darüber sprechen wir gleich hier nach dem besten Mix bei uns, bei Radio 90,1 in ‚Ein Fall für den Anwalt‘. Die Interviews haben wir übrigens vor der Sendung mit Herrn Raupach, unserem Fachanwalt und Rechtsanwalt, aufgezeichnet.“

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