Karneval und Autofahren (2)

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Oliver Maubach, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner – alles was wir bisher zu Alkohol im Straßenverkehr gehört haben, gilt ja nur dann, wenn die Fahrt glimpflich ausgeht, also wenn nichts passiert. Wenn es zum Beispiel zu einem Unfall kommt, dann sieht das ganz anders aus.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Genau, dann sind wir im Zweifel sowieso immer bei Straftaten, unabhängig auch vom Alkohol, wenn ich jemanden verletze, ist gleichzeitig immer eine fahrlässige Körperverletzung dabei – dann sind wir schon beim Straftatbestand. Aber worüber wir jetzt gesprochen haben, sind alles so der 08/15 Alkoholverstoß, aber schon schlimm genug!“
  • Frau Gormanns:
    „Was die wenigsten wissen – schon ab 0,3 Promille Alkohol im Blut, die ja grundsätzlich sogar erlaubt sind, kann es haarig werden.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Schon ab 0,3 Promille können Führerscheinsanktionen vorgenommen werden und zwar dann, wenn derjenige, der mich erwischt hat, bei mir Ausfallerscheinungen festgestellt hat. Ausfallerscheinungen sind zum Beispiel Schlangenlinienfahren oder einfach, dass die Sprache nicht mehr so ist, wie sie eigentlich sein sollte. Liegen diese Dinge vor, dann kann auch schon bei diesem relativ geringen Wert von 0,3 Promille Führerscheinfolgen nach sich ziehen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also mit 0,3 Promille ist alles gut – das ist schlichtweg falsch!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wenn meine zum Beispiel verminderte Reaktionsfähigkeit unfallursächlich ist, dann würde dadurch die Strafe gegebenenfalls erhöht aber auch im Haftungsbereich, sprich bei der Regulierung der Schäden etc. könnte eingewendet werden, dass hier ein Mitverschulden vorliegt und das hätte dann natürlich finanziell ganz erhebliche Folgen.“
  • Frau Gormanns:
    „Ein anderer guter Glaube ist, dass man beim Karnevalfeiern ja oft denkt, ich habe zwar etwas getrunken aber wenn ich mit dem Fahrrad Heim fahre, dann kann mir nichts passieren.
  • Rechtsanwalt Maubach
    „Hier kann Alkohol und Fahrradfahren, also die Teilnahme am Straßenverkehr dazu führen, dass mein Führerschein entzogen wird. Ab einem Promillewert von 1,6 können auch betrunkene Radfahrer zu einer medizinisch psychologischen Untersuchung verdonnert werden und gegebenenfalls kann das dann auch nach sich ziehen, dass man den Führerschein entzogen bekommt. Das liegt einfach daran, dass man sagt, wer am Straßenverkehr teilnimmt und betrunken ist, der ist halt nicht verantwortungsbewusst!“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt bin ich ja auch als Fußgänger jemand, der am Straßenverkehr teilnimmt – darf man denn dann zum Beispiel mit 1,6 Promille Alkohol im Blut überhaupt noch zu Fuß nach Hause gehen?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Man darf natürlich schon aber im Extremfall kann selbst diese Teilnahme am Straßenverkehr dazu führen, dass es führerscheinrechtliche Sanktionen nach sich zieht.“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt bin ich ganz sprachlos!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Ja, wenn ich dann auf die Straße springe auf einmal oder auf die Straße falle und dadurch dann einen Unfall verursache… – das ist so der Gedanke aber am Ende denke ich auch, der Tipp oder was man machen sollte, ein Taxi nehmen oder da schlafen, wo man gerade stand!“
  • Frau Gormanns:
    „Also was viele vielleicht auch noch nicht so verinnerlicht haben ist, dass es seit dem letzten Jahr ja ein neues Punktesystem gibt. Das Fahreignungsregister in Flensburg vergibt beziehungsweise speichert Punkte anders – es gibt nur noch Punkte für Vergehen, die die Sicherheit im Straßenverkehr betreffen.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Unterschieden werden daher nur noch schwere Verstöße, darunter fallen Ordnungswidrigkeiten, wie zum Beispiel der Handyverstoß oder wenn ich gegen die Winterreifenpflicht verstoße, dafür gibt es einen Punkt.“
  • Frau Gormanns:
    „Ja, und dann gibt es zwei Punkte für sehr schwere Verstöße!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Unter diese Kategorie fallen Ordnungswidrigkeiten, wo ein Fahrverbot regelmäßig mit angeordnet wird oder Straftaten, die allerdings nichts mit einer Entziehung der Fahrerlaubnis sanktioniert sind. Dazu zählt zum Beispiel die fahrlässige Körperverletzung bei einem Unfall, dafür gibt es dann zwei Punkte. Die Ordnungswidrigkeit ist zu schnelles Fahren Innerorts mit mehr als 31 km/h zum Beispiel, da sagt der Gesetzgeber dafür gibt es zwei Punkte und ein Fahrverbot.“
  • Frau Gormanns:
    „Bleibt noch eins übrig….“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Dann gibt es noch die schweren Straftaten, die dann eine Entziehung der Fahrerlaubnis auch nach sich ziehen. Dafür gibt es drei Punkte. Dazu gehört die hier eben besprochene Trunkenheit oder auch das bekannte unerlaubte Entfernen vom Unfallort oder auch wenn der Straßenverkehr erheblich gefährdet wird.“
  • Frau Gormanns:
    „Es gibt also viel weniger Punkte als früher, das ist aber nicht zwingend positiv und genau darum geht es gleich hier bei Radio 90,1 nach den Lokalnachrichten.“

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