Gebrauchtwagenkauf Unfallfahrzeug

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Wenn das tut mit dem gebrauchten Auto oder auch verkauft, der sollte gut über die Rechte, die sich aus dem Kaufvertrag ergeben, informiert sein. Oliver Maubach, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht aus der Kanzlei RA Schleicher Maubach & Partner hier in Mönchengladbach, ist hier bei mir im Studio. Eben, da haben wir über die Möglichkeit von Gewährleistungsausschlüssen gesprochen. Wenn das nicht geht: wie lange gilt denn die Gewährleistungspflicht überhaupt?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Grundsätzlich sagt das Gesetz, dass ich 2 Jahre Gewährleistung erbringen muss, d.h. das Fahrzeug muss in diesen 2 Jahren in Ordnung sein. Wenn es nicht in Ordnung ist und dieser Mangel auf einen Mangel zurückzuführen ist, der bei Übergabe vorlag, dann habe ich Ansprüche aus der Gewährleistung als Käufer. Im Rahmen von gebrauchten Sachen, also auch bei gebrauchten Fahrzeugen, kann ich diese Gewährleistung allerdings auf 1 Jahr begrenzen.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist aber noch nicht alles!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wichtig ist noch, dass im ersten halben Jahr der Verkäufer beweisen muss, wenn das Fahrzeug einen Mangel hat, dass dieser Mangel bei Übergabe nicht vorhanden war. Danach muss ich, als Käufer, beweisen, dass dieser Mangel schon vorhanden war, als das Fahrzeug an mich übergeben wurde.“
  • Frau Gormanns:
    „Und dann wird es eigentlich richtig schwierig für einen selber!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wenn ich beweisen muss, dass der Mangel schon bei Übergabe vorhanden war, wird es meist schwierig. Das geht auch normalerweise nur durch Sachverständigengutachten, d.h. ich muss jemanden beauftragen, der sagt: „schau mal bitte rein“, meist können die Sachverständigen das sagen. Problem nach Ablauf der ersten 6 Monate ist allerdings, dass, wenn mehrere Möglichkeiten zu diesem Defekt geführt haben können, ich dann in die Röhre schaue!“
  • Frau Gormanns:
    „Also umgekehrt im ersten halben Jahr, wenn man als Käufer nicht leer ausgehen will.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Umgekehrt ist es genauso im ersten halben Jahr, wenn der Verkäufer nicht beweisen kann, dass der Mangel, der aufgetreten ist, nicht zurückzuführen ist auf eine andere Sache, die außerhalb seiner Gewährleistung liegt. Dann ist er genauso dran und muss dann Gewährleistung geben.“
  • Frau Gormanns:
    „Kommen wir einmal zu den häufigen Mängeln: da gilt ja oft die Frage bzw. den Mangel zu klären, ist das gekaufte Fahrzeug ein unfallfreies oder nicht?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Natürlich kommen bei mir meist dann die Fälle auf den Tisch, wo dann der Käufer sagt: „Ich hab so ein Gefühl, es liegt ein Unfallfahrzeug vor“ – oder wo der Mandant tatsächlich Nachweise bekommen hat, dass es tatsächlich ein Unfallfahrzeug ist. Da gibt es dann einfach immer die Streitpunkte: wusste der Verkäufer das, musste er das wissen, konnte er das wissen, was hat er für Pflichten, mir zu sagen, dass es sich um ein Unfallfahrzeug handelt oder nicht?“
  • Frau Gormanns:
    „Da geht es dann eindeutig um den Wert eines Gebrauchtwagens. Verziehen eines Fahrzeuges und die Lackdichte beweisen dann einen vorherigen Unfall. Das wird dann mehr oder weniger geprüft, aber feste Abgrenzung, ob hier ein Bagatellschaden vorliegt, gibt es nicht, oder?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Feste Grenzen gibt es dazu nicht, der BGH äußert sich da nicht zu.
    Es gibt eine Entscheidungen, wo bei einem Schaden von 1.700 € an der Karosserie angenommen wurde, dass es kein Bagatellschaden ist. Eine feste Grenze ist da aber einfach nicht möglich, weil es natürlich auch darauf ankommt, wieviel ist das Fahrzeug insgesamt wert? Wenn das Fahrzeug nur 2.000 € wert ist, ist wohl ein Schaden von 1.700 € ein großer Schaden, hingegen, wenn ich ein Fahrzeug habe, was 250.000 € kostet, kann man darüber nachdenken, ob 1.700 € da etwas ausmachen oder nicht.“
  • Frau Gormanns:
    „Muss denn der Verkäufer nicht generell jedes Fahrzeug vorher auf Unfallfreiheit untersuchen?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Nein, das muss ein privater Verkäufer nicht, ein gewerblicher Verkäufer bedingt. Er muss dann untersuchen, wenn sich Anhaltspunkte ergeben. Wenn sich keine Anhaltspunkte aus Sicht des gewerblichen Verkäufers ergeben, dann ist er aber zumindest verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass es sich um ein Fahrzeug handelt, was er nicht untersucht hat. Beim Verkauf muss er dann dem Käufer sage: „Ich habe nicht wirklich untersucht, ob es einen Unfall hatte oder nicht!“
  • Frau Gormanns:
    „Also das war jetzt der gewerbliche Verkäufer, man muss allerdings als Verkäufer ein wenig auch auf die eigene Wortwahl achten, die ja unter Umständen im Kaufvertrag dann Schwarz auf Weiß fixiert steht!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Der private Verkäufer muss das Fahrzeug nicht untersuchen. Das liegt einfach daran, dass er im Zweifel die Sachkenntnisse gar nicht hat. Wenn also ein privater Verkäufer das Fahrzeug auch schon privat gekauft hat, dann kann er sagen: „Ich weiß nicht, es keinen Unfall gehabt – soweit ich weiß“. Manche sagen aber: „der Wagen hatte keinen Unfall, so „ins Blaue“ hinein“. Bei einem privaten Verkäufer sagen die oberen Gerichte, das ist in Ordnung, er hat keine Sachkenntnisse, der darf das sagen. Der private Verkäufer gibt jedenfalls keine Garantieerklärung dafür ab, dass das Fahrzeug komplett immer unfallfrei war.“
  • Frau Gormanns:
    „Also d.h., wir müssen immer generell unterscheiden zwischen einem gewerblichen Verkäufer und einem privaten Verkäufer. Da gibt es ganz schön viele Unterschiede!
    Mehr nach den Nachrichten hier bei Radio 90,1, den Lokalnachrichten!“

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