Erben ohne Testament (2)

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Ein Testament zu errichten, das bietet sich an, damit nicht am Ende der Staat alles erbt. Markus Bungter, Fachanwalt für Erbrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner hier aus Mönchengladbach, das haben wir eben genauso hier gehört. Erben ohne Testament ist ja unser Thema heute in „Ein Fall für den Anwalt“ und natürlich die Folgen. Jetzt müssen wir mal wieder die Verwandtschaftsverhältnisse klären – das war für mich neu – nämlich mit dem Ehepartner, mit dem ist man erst gar nicht verwandt!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Richtig, verwandt ist man mit Menschen, die aus der gleichen Blutslinie abstammen, also Kinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und natürlich Geschwister, zum Beispiel, das sind Verwandtschaftslinien, während der Ehegatte nicht verwandt ist, mit ihm ist man verheiratet, er tritt dem Grunde nach von außen an diese Blutslinie heran, allerdings natürlich wechselseitig!“
  • Frau Gormanns:
    „Aber der erbt natürlich auch beim Tod vom Ehepartner/der Partnerin!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Der Ehegatte erbt auch durch das Gesetz, hier ist die Erbquote auch gesetzlich festgelegt, sie beträgt ¼ dessen, was hinterlassen wird. Und wenn die Ehegatten keinen Ehevertrag hatten, also nicht in der so genannten Gütertrennung lebten, sondern ganz gesetzlich in der Zugewinngemeinschaft gibt es noch einen so genannten pauschalierten Zugewinnausgleich, das ist ein weiteres Viertel des Nachlass, deshalb erbt der Ehegatte allermeist 1/2!“
  • Frau Gormanns:
    „ D.h. jetzt einmal in so einer klassischen Familie, Eltern und zwei Kinder und der Familienvater verstirbt, dann erbt wer, wie viel?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „In Ihrem Beispiel ist es so, dass die Ehefrau ½ des Nachlasses erbt und jedes der beiden Kinder ¼ des Nachlasses.“
  • Frau Gormanns:
    „Und das dann entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass sich die Ehepartner gegenseitig zu 100 % beerben, also zu 100 % ausschließlich, das ist falsch!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Ja, das ist tatsächlich so, dass dies häufig angenommen wird, rechtlich ist es aber nicht zutreffend. Das kann man nur dadurch erreichen, wenn man ein Testament macht, indem man den Ehegatten zum Alleinerben einsetzt. Das bedeutet im Umkehrschluss auf unserem Beispielfall, dass die beiden Kinder allerdings enterbt sind und wer enterbt ist, hat als Abkömmling so genannte Pflichtteilsansprüche. Die Kinder können sich dann also an die überlebende Mutter wenden, die Alleinerbin geworden ist aufgrund des Testaments und fordern, dass sie von dem Nachlass, den die Mutter geerbt hat, jeweils 1/8 als Pflichtteil erhalten.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer in einer wilden Ehe lebt, also ohne Trauschein, der muss wirklich vorsorgen, denn im Erbfall hat er ja dann wirklich Pech!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Wenn man mit einem Lebenspartner aber ohne Trauschein schon immer zusammenlebt, erbt dieser Lebenspartner nichts, denn man ist weder verwandt, noch verheiratet; dementsprechend greift das gesetzliche Recht nicht. Wenn diese Person also erben soll, geht das nur über ein Testament oder einen Erbvertrag.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer aber auf jeden Fall miterbt, das ist der Staat, ob nun ein Testament vorliegt oder nicht, nämlich durch die Erbschaftsteuer.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Der Staat erbt mit, dann, wenn Erbschaftsteuer zu zahlen ist. Hier muss man einfach sehen, dass je nachdem, wer Erbe geworden ist, verschiedene Erbschaftsteuerfreibeträge existieren.“
  • Frau Gormanns:
    „Ja und für Ehegatten ist das ja so, dass rund 550.000 € steuerfrei sind und bei Kindern, die dann erben, jeweils 400.000 € steuerfrei sind. Wie legt man denn überhaupt diese Steuerbeträge fest, wenn z. Bsp. Immobilien, Schmuck, Autos vererbt werden?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Der Wert des zu Versteuernden wird durch das Finanzamt ermittelt, es werden also Schätzungen für Immobilien oder für andere Dinge eingeholt und die Werte werden dann addiert und dadurch wird der Wert des Nachlasses durch das Finanzamt festgestellt. Das ist Grundlage dann für die Besteuerung.“
  • Frau Gormanns:
    „Tja, und das alles, was wir jetzt gerade gehört haben, das sind die Normalfälle. Jetzt gleich kommen wir zu den Spielarten, besser gesagt zu einer Spielart beim Erben, nämlich der Erbengemeinschaft, nach den 90,1 Lokalnachrichten geht es dann hier genau darum bei uns in „Ein Fall für den Anwalt“!“

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