Elternzeit: Anspruch & Stückelung

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Elternzeit, so der Name für ein Gesetz aus dem Bereich Arbeitsrecht, Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht hier aus der Kanzlei in Mönchengladbach Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner – erst einmal schönen guten Abend und hallo!“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Einen wunderschönen guten Abend!“
  • Frau Gormanns:
    „Wer Kinder in die Welt setzt, der muss ja auch Zeit haben, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Früher da hieß das passende Gesetz für berufstätige Eltern „Bundeserziehungsurlaub“. Da Erziehung aber durchaus auch Arbeit ist, hat man die Begrifflichkeit vor einigen Jahren in „Elternzeit“ umgewandelt. Worum geht es denn in diesem Arbeitsschutzgesetz „Elternzeit“?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Ja, die Elternzeit ist eigentlich die Möglichkeit dass Vater oder Mutter oder vielleicht beide auch eine Zeit zur Verfügung bekommen, ohne dass das Arbeitsverhältnis in irgendeiner Form beendet wird – also eine längere Zeit zur Verfügung bekommen, um eben insbesondere in den ersten Jahren des Kindes sich um die Kinder zu kümmern, ohne hier in ganz große Existenznöte zu geraten.“
  • Frau Gormanns:
    „Wer hat denn überhaupt Anspruch auf Elternzeit?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Anspruch haben natürlich vor allem die Eltern. Anspruchsvoraussetzung ist eben, dass ich ein Kind betreue, in einem Haushalt mit diesem Kind lebe und selbst für die Erziehung und Betreuung zuständig bin.“
  • Frau Gormanns:
    „Früher konnte man drei Jahre am Stück zu Hause bleiben und in der Zeit ruhte dann das Arbeitsverhältnis, danach ging es zurück in den Job. Heute gibt es sehr viele luxuriösere Lösungen – wie sehen die denn im Einzelnen aus, Herr Müting?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Also im Wesentlichen habe ich einen Anspruch bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, diese Elternzeit in Anspruch zu nehmen, dann natürlich auch mit der maximalen Dauer von drei Jahren. Ich habe aber auch die Möglichkeit, einen Teil dieser Zeit auf den Zeitraum nach dem dritten Lebensjahr und maximal bis zur Vollendung des achten Lebensjahres zu übertragen.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ermöglicht Eltern ja zum Beispiel, den Schulbeginn besser, sprich betreuter für ihr Kind/ihre Kinder zu planen. Seit Sommer dieses Jahres gibt es eine Veränderung im Gesetz, eine Neufassung der Elternzeit und um diese neuen Regelungen kümmern wir uns jetzt im Folgenden. Vorab – für wen sind denn diese Neuerungen gültig?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Anwendung findet das für die Kinder, die nach dem 01.07.2015 geboren werden- das ist jetzt der Fall, also gilt es im Grunde für alle, die jetzt Nachwuchs bekommen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also alle vor dem 01.07.2015 Geborenen fallen aber dann noch auf die Altfassung des Gesetzes, das sei auch erwähnt. Neu ist vor allem die Handhabe mit der zeitlichen Stückelung und Einteilung bis zum achten Lebensjahr. Wie sieht das denn jetzt aus?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Ich muss natürlich als Mitarbeiter die Elternzeit erst einmal beantragen. Ich muss also einen Antrag stellen und da legt das Gesetz – das war aber auch schon früher so – zunächst erst einmal fest, dass ich für die ersten zwei Jahre des Alter des Kindes diese Elternzeit dann festlegen muss. Und einen solchen Antrag muss ich dann spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit schriftlich beantragen.
  • Frau Gormanns:
    „Da ist das Baby ja gerade mal auf der Welt und dann muss man schon direkt planen. Insgesamt hat man nur acht Wochen nach der Geburt Zeit, denn da endet ja in der Regel die Mutterschutzzeit.“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Im Zweifel empfehle ich natürlich, das dann schon vorher zu machen. Wenn also absehbar ist – das Kind kommt alsbald – dass man sich dann schon einmal darüber Gedanken macht und den Antrag gegebenenfalls schon einmal stellt. Denn der Antrag kann ja auch vorher gestellt werden, nur die Mindestfrist ist eben sieben Wochen.“
  • Frau Gormanns:
    „Was passiert denn, wenn der Antrag nicht innerhalb der Sieben-Wochen-Frist gestellt wird?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Wenn ich den Antrag also verspätet stelle, dann gilt die Elternzeit erst nach Ablauf dieser sieben Wochen. Das würde dann zur Folge haben, dass ich gegebenenfalls ein paar Wochen sogar arbeiten müsste.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist natürlich wenig komfortabel, da muss man logistisch schon eine Menge drauf haben, um die Kinderbetreuung gut zu regeln. Es gibt natürlich Ausnahmen, zum Beispiel wenn es unverschuldet zu einer Verspätung des Antrages kommt, die Elternzeit beginnt dann nach sieben Wochen. Bei verspätetem Antrag beginnt die Zeit zu Hause dann somit auch später. Unser Thema heute das Gesetz über die Elternzeit, mehr dazu gleich hier bei Radio 90,1. Alle Interviews haben wir vor der Sendung mit unserem Experten, Thomas Müting, aufgezeichnet.“

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