Der Ehevertrag

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Überlebenswichtiges aus dem Famlienrecht. Das gibt es heute in "Ein Fall für den Anwalt". Dr. Vanessa Staude, Fachanwältin für Familienrecht, von den KORN VITUS Rechtsanwälten in Mönchengladbach. Jetzt geht es ja um den Ehevertrag. Also, ich habe keinen.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Das ist schlecht – oder auch gut.“
  • Frau Gormanns:
    „Okay. Braucht man zwingend einen?“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Ja und nein. Also, wenn einem die gesetzlichen Regelungen genügen – meist in Doppelverdiener-Ehen – dann braucht man keinen Ehevertrag. Schwierig wird es, wenn tatsächlich Versorgungslücken bestehen. Die klassische Hausfrauen-Ehe. Denen würde ich immer einen Ehevertrag anraten. Oder, wenn einer viel Vermögen hat, der andere wenig Vermögen hat. Der eine hat eine Firma – der andere nicht. Auch denen würde ich einen Ehevertrag anraten.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist ja schon so ein böses Wort – Ehevertrag. Aber das muss es gar nicht sein. Ein Ehevertrag kann auch Positives haben, z. B. – wie Sie eben gesagt haben – bei der klassischen Hausfrauen-Ehe.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Die klassische Hausfrauen-Ehe sagt ja, die Hausfrau ist nach Schule, möglicherweise auch Ausbildung, kümmert sie sich um Haushalt und möglicherweise auch Kinder. Der Mann kann arbeiten gehen. Der Mann kann das Geld verdienen. Der Mann bringt das Geld nach Hause, was die Frau dann für‘s Einkaufen ausgibt.“
  • Frau Gormanns:
    „Und sie kann sich quasi selber ja nicht wirklich was zur Seite legen, nichts ansparen, nichts erwirtschaften. Dadurch, dass sie eben nicht arbeitet, spart sie auch nichts für die spätere Rente an und wenn der Mann dann auf die Idee kommt sich zu trennen, dann wird’s mau.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Das gilt natürlich auch andersrum – dass die Frau auf die Idee kommt und den Mann rausschmeißt. Dann sitzt sie tatsächlich nackt auf der Straße. Und das soll nicht sein. Das ist gesetzlich nicht so. Auch da hat sie schon Ansprüche. Aber durch den Ehevertrag kann ich wesentlich besser für diesen schlimmen Fall vorsorgen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also ganz wichtig zu wissen, bevor man Schatzi so weit hat, dass er „ja“ sagt, braucht man nicht über den Ehevertrag zu sprechen. Das kann man auch später, wenn die Ehe läuft, fixieren.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Nein, man muss nicht sagen, ich heirate dich nur, wenn du hier meinen Ehevertrag unterschreibst und dich an mich fesselst und bindest. Nein, man kann den Ehevertrag tatsächlich bis zur Rechtskraft der Scheidung noch schließen.“
  • Frau Gormanns:
    „Und der muss auch nicht Jahrzehnte lang so bleiben, wenn man den 1900 irgendwas mal so abgeschlossen hat.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Der sollte sogar gar nicht so bleiben. Man sollte den regelmäßig überprüfen lassen, ob der tatsächlich noch den geänderten Verhältnissen, einmal den familiären Verhältnissen, aber auch den rechtlichen Verhältnissen, entspricht. Denn die Gesetzeslage ändert sich immer, die Rechtsprechung ändert sich immer und die familiären Verhältnisse ändern sich auch immer. Es kommt ein weiteres Kind hinzu, ich nehme einen anderen Job an oder ich werde krank.
  • Frau Gormanns:
    „Alte Eheverträge nochmal abzuchecken – das ist aus einem Grund sogar sehr, sehr wichtig mittlerweile.“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Insbesondere, wenn man über alte Eheverträge verfügt, sollte man die an die geänderte Rechtsprechung, gerade in Bezug auf den Unterhalt, überprüfen lassen. Denn das Unterhaltsrecht hat sich geändert.“
  • Frau Gormanns:
    „Was ist denn da anders?“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Der Unterhalt kann nach Rechtskraft der Scheidung der Höhe nach begrenzt werden, aber auch zeitlich befristet werden. Ich muss quasi nicht mehr zeitlebens Unterhalt zahlen. Insbesondere aber auch die Altersstufen haben gewechselt. Es heißt jetzt, wenn das Kind drei Jahre alt ist, muss ich gucken, dass ich voll arbeite und meinen Unterhalt selbst sicherstellen kann, wenn denn die Betreuung des Kindes gesichert ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Ich glaube, dass das vielen gar nicht so bewusst ist, dass viele das gar nicht wissen. Also auch hier gilt, bei der klassischen Hausfrauen-Ehe kann eine Trennung ganz schön hart dann sein und die kann einen ganz schön hart treffen – ohne Ehevertrag!“
  • Frau Rechtsanwältin Dr. Staude:
    „Genau. Das führt bei manchen zu großen Augen, wenn sie bei mir sitzen und fragen, „aber er hat doch zeitlebens Unterhalt zu zahlen“ und ich es dann verneine und sie auf die geänderte Rechtslage hinweise.“
  • Frau Gormanns:
    „Nach den Radio 90.1-Lokalnachrichten, da geht es noch ein bisschen um den Ehevertrag. Der kann nämlich auch richtig wichtig sein, wenn nämlich die Ehegatten unterschiedliche Nationalitäten haben oder einen unterschiedlichen Wohnort oder der Ort der Trauung irgendwo im Ausland lag.“

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