Berufsunfähigkeitsversicherung (3)

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Ein umfangreiches Gebiet – die Berufsunfähigkeitsversicherung. Ist die Berufsunfähigkeit einmal anerkannt, Oliver Maubach, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus der Rechtsanwaltskanzlei Schleicher Maubach & Partner, dann bleibt diese Anerkennung inklusive der daraus resultierenden Leistungen auch erst einmal bestehen, oder?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wenn einmal die Berufsunfähigkeit anerkannt ist und eine Leistungspflicht besteht, dann muss die Versicherung in einem Nachprüfungsverfahren feststellen lassen, dass Berufsunfähigkeit nicht mehr vorliegt. Bis dahin, bis dieses Verfahren abgeschlossen ist, muss die Versicherung zahlen.“
  • Frau Gormanns:
    „Gibt es das denn auch, wenn der Versicherungsnehmer schon wieder arbeiten geht, also dass dann auch weiter die Leistungen gezahlt werden?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „In dem Fall würde dann natürlich angenommen werden oder stünde dann fest, dass er wieder arbeiten gehen kann. Wenn der Versicherungsnehmer sagt: „ich kann nicht arbeiten“ und dann würde ein solches Überprüfungsverfahren stattfinden, dann könnte die Versicherung aufhören ihre Leistungen zu zahlen in dem Zeitpunkt, wo tatsächlich im Rahmen dieses Nachprüfungsverfahrens festgestellt wird.“
  • Frau Gormanns:
    „Dazu kommen wir gleich noch einmal. Aber wir müssen zuerst einen Begriff klären, der heißt nämlich: wertende Gesamtbetrachtung. Was ist denn das, Herr Maubach?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wir hatten eben gesagt, dass Berufsunfähigkeit vorliegt, wenn mehr als 50 % der Arbeitskraft nicht mehr einsetzbar ist. Von diesem Grundsatz kann abgewichen werden, wenn im Rahmen einer wertenden Betrachtung der Teil der Tätigkeit, die ich nicht mehr ausüben kann, zwar nicht diese 50 % übersteigt, aber dennoch so wichtig für die Tätigkeit ist, dass man sagen muss: damit hat die Tätigkeit dem Grunde nach keinen Wert mehr und demzufolge liegt trotz Nichtvorliegen der 50 %, Berufsunfähigkeit vor.“
  • Frau Gormanns:
    „Klingt kompliziert, wird aber deutlich am Beispiel eines Notarztes, der Probleme mit seinem Knie hat und sich deshalb nicht mehr gut oder auch gar nicht mehr hinknien kann.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Die kniende Tätigkeit ist jetzt nicht etwas, was der Notarzt den Hauptteil seiner Tätigkeit ausmacht. Nichts destotrotz: wenn er sich nicht knien kann und in dem Augenblick er dadurch einen Mensch nicht retten kann, dann muss man hier wohl davon ausgehen, dass das einen ganz erheblichen Teil seiner Arbeit ausmacht, einen ganz wichtigen Teil und hier von Berufsunfähigkeit im Rahmen der wertenden Betrachtung gegeben ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Der Prozentsatz übrigens, wie hoch der Grad der Berufsunfähigkeit ist, der wird natürlich festgelegt und zwar durch das ärztliche Gutachten. Folgendes könnte aber auch in BU-Verträgen stehen, nämlich, dass die Versicherung vom Arbeitnehmer verlangen kann, einen gleichwertigen anderen Beruf auszuüben, sowohl in der gesellschaftlichen Stellung muss der wohl gleich sein, als auch finanziell gleichwertig.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Und zwar auch dann, wenn er sie tatsächlich nicht ausübt, das ist der Unterschied. Das heißt, die Versicherung könnte mir andienen, dass ich mir eine gleichwertige, andersartige Tätigkeit ausüben muss. Wenn die Versicherung auf einen solchen Beruf hingewiesen hat, dann wäre sie von der Leistung befreit und zwar unabhängig davon, ob ich tatsächlich in diesem Beruf Arbeit finde oder nicht.“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt kommt schon wieder so ein Begriff, das nennt man nämlich die abstrakte Verweisung, das klingt furchtbar, geht das denn so ganz einfach?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Wenn die Versicherung mir mitteilt, dass ein vergleichbarer Tätigkeitsstandard mit meiner körperlichen Einschränkung möglich wäre, dann würde ich, wenn die Versicherung mich verweist und die Bedingungen auch anwendbar sind, keine Leistung mehr aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten.“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist im heutigen Versicherungswesen, also in neueren Verträgen eher unüblich, haben Sie mir im Vorgespräch gesagt, aber es gibt die so genannte konkrete Verweisung – schon wieder so ein Begriff – was ist denn das?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Die konkrete Verweisung bedeutet, dass der Versicherte sich einen neuen Beruf ausgesucht hat. In dem Augenblick fallen die Voraussetzungen weg. Das heißt, hier kann die Versicherung nicht sagen: „bitte übe den und den Beruf aus!“, sondern hier ist der Versicherungsnehmer hingegangen und hat gesagt: „ich mache etwas anderes….“ In dem Augenblick fallen dann die Voraussetzungen zur Leistungspflicht aus der Berufsunfähigkeitsversicherung wieder weg.“
  • Frau Gormanns:
    „Das haben wir eben schon einmal so ein bisschen angesprochen, wenn der Versicherungsnehmer wieder arbeiten geht. Also da muss man wirklich Acht geben.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Deshalb muss man im Zweifel aufpassen: auch wenn man eine kleinere Tätigkeit ausübt, wo man sich im Zweifel ein „Beibrot“ zur Berufsunfähigkeitsversicherung verdienen möchte, könnte dies dazu führen, dass die Versicherung sagt: „schön, damit sind wir von unserer Leistungspflicht befreit.“
  • Frau Gormanns:
    „Also, man muss richtig aufpassen, unter Umständen bei einem noch so kleinen Nebenjob!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Ja, aber das passt natürlich auch zu der anderen Voraussetzung – der zuletzt ausgeübte Beruf, auch da muss ich das nicht anzeigen. Klar muss man sich vorher Gedanken darüber machen, aber im Grunde genommen spiegelt das das gleiche wieder, wie beim Eintritt der Versicherungsvoraussetzungen.“
  • Frau Gormanns:
    „Also im Zweifel nicht arbeiten gehen, wenn man Gelder aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung bezieht. Zum Thema gleich mehr hier bei uns, bei Radio 90,1!“

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