Berliner Testament (3)

Interview

  • Frau Gormanns:
    "Das Berliner Testament, dass ja beide Ehegatten gemeinsam abschließen und erwirken, das kann auch aufgelöst werden, wenn nämlich einer der Vertragspartner, sprich ein Ehegatte schon verstorben ist. Wie geht denn das, Herr Maus, Fachanwalt für Erbrecht von den KORN VITUS Rechtsanwälten hier in Mönchengladbach?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Ja, so pauschal kann man das nicht sagen. Es ist ja relativ weit verbreitet die Ansicht, dass beim Berliner Testament und dem Ableben des 1. Ehegatten das Testament nicht mehr aufgehoben werden kann. Das ist ein bisschen unpräzise. Es kommt immer auf die einzelnen Verfügungen an."
  • Frau Gormanns:
    "Das heißt, das Testament per se kann ja verschiedene Verfügungen enthalten, zum Beispiel eine Erbeinsetzung oder auch verschiedene Vermächtnisse."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Das Testament wird dann nicht insgesamt unwirksam, sondern nur die Verfügung, wo die Eheleute sich gegenseitig binden wollten. Wenn jetzt der eine verstirbt, kann der andere es dadurch aufheben oder sich davon trennen, dass er die Erbschaft ausschlägt."
  • Frau Gormanns:
    "Das Erbe ausschlagen, das ist geht ja immer und wie sie gerade gesagt haben, wenn das so beim Berliner Testament geschieht, dann kann neu testiert werden."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Eine andere Möglichkeit ist zum Beispiel wenn Pflichtteilsentziehungsgründe vorliegen, dann besteht auch die Möglichkeit vom Berliner Testament nach dem Ableben des 1. Ehegatten abzuweichen."
  • Frau Gormanns:
    "Aber das ist wohl recht schwierig, weil die Gründe hier schon schwerwiegender sein müssen."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Die Pflichtteilsentziehungsgründe sind im Gesetz erwähnt und es sind sehr strikte Voraussetzungen. Zum einen nach dem Leben trachten oder aber bei der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung."
  • Frau Gormanns:
    "Kommt denn das häufig vor?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Ja das ist häufig. Es kommt vor. Wir haben Fälle. Häufig ist es so, dass Rechtsanwälte oder Notare im eigenen Testament Pflichtteilsentziehungsgründe nennen, wenn die Abkömmlinge sich nicht entsprechend verhalten, das kommt vor."
  • Frau Gormanns:
    "Es gilt ja auch heute Abend die Tücken des Berliner Testaments zu betrachten. Den Letzten beißen die Hunde, haben sie soeben schon gesagt. Bedeutet der, der als Letzter übrig bleibt beim Berliner Testament, also als letzter Erbe, der kann salopp gesagt der Blöde sein."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Ja, mit Letzten sind die Schlusserben gemeint. Nach dem Berliner Testament wird erwartet, dass die Schlusserben, meistens die Kinder, die Füße stillhalten, wenn der 1. Ehegatte verstirbt, damit der überlebende Ehegatte wirtschaftlich abgesichert ist. Es kann ja sein, dass zur wirtschaftlichen Absicherung auch vielleicht das gesamte Vermögen eingesetzt wird zur Lebensgestaltung. Dass es vielleicht auch über Maßen verbraucht wird und dann beim Ableben des 2. Ehegatten oder des 2. Elternteils gar nichts mehr vorhanden ist."
  • Frau Gormanns:
    "Tja, und dann bleibt eben nichts mehr übrig."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Dann geht die Erbeinsetzung  ins Leere, wenn nichts da ist, kann man auch nichts erben und da gibt es halt Möglichkeiten, das schon abzusichern. Eine Möglichkeit ist ein Vermächtnis auszusetzen, dass eine Verfügung untersagt wird."
  • Frau Gormanns:
    "Was bedeutet das?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Dass der überlebende Ehegatte gehindert ist, zum Beispiel das im Nachlass befindliche Haus zu Lebzeiten zu veräußern."
  • Frau Gormanns:
    "Das betrifft dann das Verfügungsunterlassungsvermächtnis in diesem Beispiel, schönes Wort. Der zurückgebliebene Ehegatte muss zugunsten der Kinder handeln. Hier kann er nicht über das Haus verfügen zugunsten seiner Kinder, man kann aber in diese Regelung auch Ausnahmen packen, zum Beispiel wenn eine Insolvenz ansteht, dann könnte der Ehegatte wieder verfügen, dass er eben zu seinen Gunsten das Haus veräußert. Das Berliner Testament hat einiges zu bieten. Das merken Sie. Positives wie negatives je nach Betrachtung, gleich mehr dazu."

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