Berliner Testament (1)

Interview

  • Frau Gormanns:
    "Ein Fall für den Anwalt bei Radio 90.1, acht Minuten nach sechs an diesem Montag. Richtig vererben und damit richtig erben. Das ist gar nicht so einfach. Per Gesetz gibt es eine rechtlich festgelegte Erbfolge, aber mit Hilfe eines Testamentes kann man da ein bisschen was dran ändern. Ein spannendes Thema heute Abend, aber auch ein tückisches. Deshalb sprechen wir darüber mit einem Experten, Ralf Maus, Fachanwalt für Erbrecht von den KORN VIUTUS Rechtsanwälten hier in Mönchengladbach. Erst einmal einen schönen guten Abend."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Hallo Frau Gormanns, schönen Abend allerseits."
  • Frau Gormanns:
    "Es geht vor allem heute um das sogenannte Berliner Testament, das ist nach wie vor eine sehr gängige Form des Testamentes. Was für eine Art ist denn das genau, Herr Maus?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Ein Berliner Testament errichten Eheleute. Das kam auf nach dem zweiten Weltkrieg. Es wurde von einem Rechtsanwalt in Berlin auf die Wege gebracht und es bedeutet, dass die Eheleute sich in der Regel gegenseitig als Alleinerben einsetzen und die gemeinschaftlichen Kinder als Schlusserben."
  • Frau Gormanns:
    "Es kann ja nur gemeinschaftlich von den Eheleuten errichtet werden, nicht von Lebensgefährten. Auf den Punkt gebracht heißt das, Ehegatte Nummer 1 verstirbt Ehegatte Nummer 2 erbt alles."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Richtig, ja."
  • Frau Gormanns:
    "Ja, und dann muss man jetzt mit allem immer so ein bisschen aufpassen, es gibt ja die gesetzliche Regelung, dass Kinder beispielsweise einen Pflichtteil erben. Schließt das Berliner Testament denn diese Regelung aus?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Nein, das Pflichtteil wird nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich ist es so, wenn kein Testament errichtet wird, gilt die gesetzliche Erbfolge. Danach erben der überlebende Ehegatte und die Kinder gemeinschaftlich. Durch das Testament werden die Kinder von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen und als Ersatz für den Ausschluss von der gesetzlichen Erbfolge gibt es den Pflichtteil. Der Pflichtteil wird somit durch das Berliner Testament für den 1. Elternteil nicht ausgeschlossen."
  • Frau Gormanns:
    "Gehen wir mal von einem ganz ganz normalen Fall aus: Es wurde kein Ehevertrag vor der Heirat abgeschlossen und es gibt kein Testament, was denn dann mit dem Erben?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Wenn die Eheleute keinen Ehevertrag geschlossen haben, gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft, das heißt dass der überlebende Ehegatte die Hälfte bekommt und die andere Hälfte geht auf die gemeinschaftlichen Kinder über. Das heißt, bei zwei Kindern jeweils 1/4."
  • Frau Gormanns:
    "Also rechnen wir mal ein kleines bisschen: 400.000 € sind zu vererben, der überlebende Ehegatte bekommt 200.000 €, die Kinder je 100.000 €. Beim Berliner Testament, wie sieht das denn da aus? Ist das dann nicht dasselbe?"
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Nein, der Pflichtteil ist halb so groß, der würde dann bei zwei Kindern und Zugewinngemeinschaft jeweils 1/8 betragen."
  • Frau Gormanns:
    "Also das heißt, bei unseren 400.000 € von vorhin erbt die Ehefrau 300.000, die Kinder 100.000 gemeinsam, also jedes der zwei Kinder  50.000 €. Das ist jetzt schon ein Unterschied aber auch beim Berliner Testament können die Kinder eben ihren Pflichtteil geltend machen, das weiß man oft gar nicht so, meist passiert das auch nicht aus moralischen Gründen. Noch mal ganz wichtig, beide Ehegatten müssen das Berliner Testament gemeinsam errichten."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Genau, es muss ein gemeinschaftliches Testament errichtet werden, d.h. nicht dass beide Ehegatten den gesamten Text schreiben müssen, es reicht aus, wenn einer das eigenhändig schreibt und beide Ehegatten unterschreiben."
  • Frau Gormanns:
    "Also die Form muss wirklich besonders gewahrt werden. Man kann das Berliner Testament ja auch beim Notar errichten."
  • Rechtsanwalt Maus:
    "Oder beim Notar. Aber ein maschinengeschriebenes Testament ist nicht gültig, wenn's privat errichtet wird."
  • Frau Gormanns:
    "Wie man ein bereits verfasstes Berliner Testament wieder ändern kann, darum geht gleich."

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