Arbeitgeber-Kündigung (2)

Interview

  • Frau Gormanns:
    „Mein Studiogast hier heute Abend, bei Radio 90,1 ist Thomas Müting, Fachanwalt für Arbeitsrecht von Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner. Unser Thema ist die Arbeitgeber-Kündigung, Basis ist ja, Herr Müting, ein Gesetz – das haben wir noch gar nicht angesprochen.“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Es gibt ja hier in Deutschland das so genannte Kündigungsschutzgesetz, welches dann Anwendung findet, wenn ich länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt bin und der Betrieb mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt.“
  • Frau Gormanns:
    „Trifft das nicht zu, also der Betrieb zum Beispiel nur vier Mitarbeiter hat, dann kann auch ganz anders gekündigt werden.“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Wenn das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, dann kann der Arbeitgeber unter Einhaltung der Kündigungsfrist auch ohne besondere Begründung eine Kündigung aussprechen.“
  • Frau Gormanns:
    „Die Kündigungsfrist, auch die unter Umständen verlängerte Kündigungsfrist, die muss wohl immer eingehalten werden.“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Es gibt betriebsbedingte Gründe, da ist Hintergrund der Kündigung, dass das Unternehmen wirtschaftliche Schwierigkeiten hat oder aber das ein Unternehmen Umstrukturierungsmaßnahmen durchführen möchte und dadurch dieser Arbeitsplatz in Wegfall gerät.“
  • Frau Gormanns:
    „Also das war jetzt schon eine der Kündigungsarten, nämlich die betriebsbedingte Kündigung. Hier wird ja geprüft, ob der Arbeitsplatz auch wirklich wegen betriebsbedingten Gründen wegfällt. Der Arbeitgeber muss bei diesem Grund unter anderem auch eine Sozialauswahl vornehmen. Was heißt denn das – eine Sozialauswahl?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Der Arbeitgeber muss nach bestimmten Kriterien prüfen, ob der ein oder andere Mitarbeiter sozial schutzwürdiger ist. Die Kriterien sind die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Alter des jeweiligen Mitarbeiters, Unterhaltsverpflichtungen und auch Schwerbehinderung wird im Rahmen dessen geprüft.“
  • Frau Gormanns:
    „Tja, und gekündigt wird dann wer?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Er muss dann letztlich bei vergleichbaren Arbeitnehmern denjenigen kündigen, der die schlechtesten Daten diesbezüglich hat.“
  • Frau Gormanns:
    „Also betriebsbedingte Kündigung – Grund Nr. 1. Kommen wir einmal zu Kündigungsgrund Nr. 2!“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Zum anderen gibt es die so genannte personenbedingte Kündigung. Der hauptsächliche Anwendungsfall ist ja die krankheitsbedingte Kündigung, wenn also der Arbeitnehmer oftmals oder längere Zeit arbeitsunfähig war, dann kann an einer krankheitsbedingten Kündigung gegebenenfalls gedacht werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Ich dachte immer, dass eine Kündigung aus Krankheit gar nicht geht!“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Das ist eigentlich in dieser Aussagequalität falsch, es gibt die personenbedingte Kündigung, also die Kündigung wegen langandauernder Krankheit oder häufiger Kurzerkrankungen. Diese Kündigung unterliegt eben nur bestimmten Prüfungsvoraussetzungen, sofern das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Welche Prüfungen sind denn das?“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Es muss eben dann geprüft werden, ob der Arbeitnehmer in der Zukunft in der Lage ist, seine Tätigkeit auszuüben, die so genannte Zukunftsprognose muss also gestellt werden. Es muss geprüft werden, ob in der Vergangenheit überhaupt schon so viele Fehlzeiten aufgelaufen sind, die eine Kündigung gegebenenfalls rechtfertigen und es muss geprüft werden, ob eine Beeinträchtigung betrieblicher Interessen durch die Fehlzeiten überhaupt eingetreten ist.“
  • Frau Gormanns:
    „Also, das heißt, es kann grundsätzlich wegen einer Krankheit gekündigt werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Es kann sogar auch während der Krankheit gekündigt werden.“
  • Rechtsanwalt Müting:
    „Das ist also ein weitläufiger Irrtum, dass ich während der Krankheitsphase nicht eine Kündigung erhalten dürfte. Ja, dann hängt es wieder davon ab, welche Art der Kündigung ich erhalte, ob es eine verhaltensbedingte Kündigung ist oder eine krankheitsbedingte Kündigung oder eine betriebsbedingte Kündigung. Und dann wird nach dem Kündigungsschutzgesetz wiederum überprüft, ob die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.“
  • Frau Gormanns:
    „So, jetzt haben wir schon Grund Nr. 3 gehört, das ist die verhaltensbedingte Kündigung und das klären wir gleich, was das ist und wie man sich da am besten verhält – nach den Lokalnachrichten hier bei Radio 90,1 in „ein Fall für den Anwalt!“

Benötigen Sie unterstützung? Vereinbaren Sie einen unverbindlichen Beratungstermin mit uns.

02161 9203-0
Beratungstermin Vereinbaren