Pflichtteil (2)

Pflichtteil (2)

  • Frau Gormanns:
    “Erben ist ja nicht immer so ganz so einfach. Auch wer enterbt worden ist, hat ja in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf den Pflichtteil. Wer den bekommt, haben wir schon eben gehört. Ralf Maus, Fachanwalt für Erbrecht, von den KORN VITUS Rechtsanwälten in Mönchengladbach. Der Erbe hat gegenüber dem Pflichtteilsberechtigten eine Auskunftspflicht. Was heißt denn das überhaupt?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Der Pflichtteilsberechtigte kann vom Erben verlangen, dass ihm ein Nachlassverzeichnis vorgelegt wird. Es kann ein privatschriftliches Nachlassverzeichnis sein, es kann aber auch ein Nachlassverzeichnis sein, was von einem Notar erstellt worden ist.”
  • Frau Gormanns:
    “Also dieses Verzeichnis, in dem der komplette Nachlass dann aufgelistet ist, kann man selber erstellen als Erbe bzw. erstellen lassen durch einen Notar. Der Notar hat hier sicherlich den offizielleren Charakter, ganz platt gesagt. Was macht denn der Notar in einem solchen Fall?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Da hat der Notar hat eigene Amtsermittlungspflichten. Er muss selber nachforschen, wo welche Vermögenswerte vorhanden sind. Üblicherweise schreibt der Notar dann das Grundbuchamt an oder die Sparkassen und Banken, zu denen der Erblasser eine Geschäftsbeziehung hatte.”
  • Frau Gormanns:
    “Also wichtig ist, der Notar muss alles erforschen, auch vorhandene Schulden, Hypotheken usw. zählen ja dazu.”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Genau, das ist richtig. Das sind die Nachlassverbindlichkeiten, die sog. Passiva, die werden dann von den Aktiva abgezogen, das heißt also, man macht eine Art Bilanz, guckt, was ist an positiven Werten drin und was ist an negativen Werten da und wenn man dann halt die negativen Werten abzieht, dann erhält man den Reinnachlass und davon steht dann entsprechend der Pflichtteilsquote ein Zahlungsanspruch zu.”
  • Frau Gormanns:
    “Die Quote ist jetzt mein Stichwort. Wie ist denn die Pflichtteilsquote?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Grundsätzlich ist die Pflichtteilsquote halb so groß wie der gesetzliche Erbanteil. Man muss dann halt für den jeweiligen Pflichtteilsberechtigten gucken, wie hoch ist der gesetzliche Erbanteil. Bei der deutschen Standardfamilie, verheiratet, Zugewinngemeinschaft und zwei Kinder, beträgt der Pflichtteil für jedes Kind 1/8 vom Reinnachlass.”
  • Frau Gormanns:
    “Jetzt muss man auch noch was berücksichtigen, was sich fiktiver Nachlass nennt, was ist das, Herr Maus?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Das ist so ein Kunstbegriff, grundsätzlich bezieht sich der Pflichtteilsanspruch auf das was beim Todestag vorhanden ist. Wenn aber jetzt der Erblasser hingeht und verschenkt sein Vermögen vorher, dann muss man natürlich den Wert der Schenkung fiktiv zum Nachlass hinzurechnen, so dass sich der Pflichtteilsanspruch auch darauf bezieht, quasi zu ergänzen ist.”
  • Frau Gormanns:
    “Tja, wenn man jetzt zu Weihnachten zum Beispiel die dicke Rolex oder Breitling geschenkt bekommen hat, würde die denn damit dazuzählen?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Die Anstandsschenkungen zu Geburtstagen oder an Weihnachten zählen grundsätzlich nicht mit. Ob es die Rolex ist, muss nach den konkreten Vermögensverhältnissen der Familie beurteilt werden, aber eine Rolex wird wahrscheinlich im Wert von mehreren 1000 € sein und damit außerhalb der Durchschnitts-Familie liegen.”
  • Frau Gormanns:
    “Dann kommt wieder der Notar dazu, der ja das Nachlassverzeichnis erstellt, haben wir ja eben gehört und da würde dann die Rolex mit aufgelistet sein, Herr Maus?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Genau, als lebzeitige Zuwendung. Der Notar hat die Pflicht, den Erben zu fragen, welche lebzeitigen Zuwendungen der Erblasser gemacht hat, die müssen ja nicht an den Erben erfolgt sein, die können auch an Dritte erfolgt sein und da hat der Erbe aber auch eine Nachforschungspflicht, auf die der Notar hinweisen kann.”
  • Frau Gormanns:
    “Schummeln ist da doch eher schwierig oder?”
  • Rechtsanwalt Maus:
    “Der Erbe muss dem dann auch nachkommen. Er muss dann eventuell an diese dritten Beschenkten herantreten und fragen, was habt ihr bekommen.”
  • Frau Gormanns:
    “Was aber dann, wenn das Nachlassverzeichnis erst gar nicht erstellt wird, das ist die Frage. Und das hören wir gleich hier nach den Lokalnachrichten bei Radio 90.1 um halb sieben.”

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