Erbrecht: Was ist der Pflichtteil

Erbrecht: Was ist der Pflichtteil

  • Frau Gormanns:
    “In Billionen zu rechnen das fällt mir ehrlich gesagt nicht ganz so leicht bzw. das klappt gar nicht. Nun tun wir das trotzdem mal flott, denn in den nächsten Jahren, da werden in der Bundesrepublik riesige Vermögen vererbt. In diesem Jahrzehnt also noch bis 2020. Da sind das schätzungsweise 2,5 Billionen Euro. Da wäre es doch echt blöd, wenn man enterbt wird. Deshalb kümmern wir uns ums Erben heute, am Montag, genauer gesagt darum, was zu tun ist, wenn man enterbt wird. Damit man dann doch noch was vom Kuchen abkriegt und nicht ganz leer ausgeht. Markus Bungter – er ist Fachanwalt für Familienrecht von den Vitus Rechtsanwälten hier in Mönchengladbach. Erstmal Hallo und schönen guten Abend.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Guten Abend Frau Gormanns.”
  • Frau Gormanns:
    “Ja, jetzt ist es ja so mit dem Erbrecht in der Bundesrepublik Deutschland, das ist ja rechtlich exakt fixiert und es gibt per Gesetz den sogenannten Pflichterbteil, wenn man vorher enterbt wird.”
  • Rechtsanwalt Bunter:
    “Der Pflichtteil ist ein Anspruch den ein Ehegatte, Abkömmling oder manchmal auch die Eltern des Verstorbenen haben, wenn sie enterbt worden sind. Also Grundvoraussetzung zum Erhalt eines Pflichtteils ist, dass man enterbt ist.”
  • Frau Gormanns:
    “Gehen wir mal so von dem Klassiker aus. Also Kind A erbt und Kind B wird von Vater bzw. von Mutter enterbt. Dann geht es um den Pflichterbteil den der Gesetzgeber ihm vorschreibt.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Genau Kind B ist enterbt, d. h. der Erblasser hat einen letzten Willen hinterlassen. Also ein Testament oder einen Erbvertrag, mit dem er dieses Kind enterbt hat, also verfügt hat: „Du bekommst in meinem Todesfall nichts, von dem was ich hinterlasse.“ Und in dem Moment sagt das Gesetz: Das ist ungerecht, das soll so nicht sein. Eine gewisse Pflichtteilhabe muss auch dieses Kind B dann haben und dementsprechend gibt es den sogenannten Pflichtteil.”
  • Frau Gormanns:
    “Also der Pflichtteil oder die Pflichtteilhabe ist verfassungsmäßig gewährleistet. Eine gänzliche Entziehung des kompletten Erbes ist aber auch möglich, oder?”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Die Entziehung des Pflichtteils ist dann möglich, wenn sich diese Person, die eigentlich einen Pflichtteilsanspruch hätte, einer sehr schweren Straftat zum Beispiel schuldig gemacht hat. Also zum Beispiel versucht hat diesen potentiellen Erblasser, Vater, Mutter vielleicht versucht hat zu töten. Aber auch ansonsten, wenn es schwere Misshandlungen gab oder man eine gesetzliche Unterhaltspflicht sehr nachhaltig und gröblich verletzt hat. Das sind Möglichkeiten eine Pflichtteilsentziehung anzuordnen.”
  • Frau Gormanns:
    “Das ist ganz selten und nur schwer zu erreichen haben Sie mir im Vorgespräch erzählt und das muss eben vor Gericht wirklich erstritten werden und im Testament des Erblassers vorher fixiert sein. In einem solchen Fall gibt es dann aber noch was, das nennt sich Verzeihung.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Ja eine Verzeihung ist grundsätzlich möglich. Wenn man also tatsächlich etwas Schwerwiegendes erlebt hat, so dass man in sein Testament reingeschrieben hat, der Pflichtteil wird entzogen, danach sich die Dinge aber nochmals zum Guten wandeln, dann ist es möglich, eine sogenannte Verzeihung auszusprechen oder zum Ausdruck zu bringen und das müsste dann natürlich wiederum der Pflichtteilsberechtigte, der eigentlich gar keinen Anspruch haben soll, nachweisen, dass ihm der Verstorbene noch zu Lebzeiten verziehen hat und die schwere Schuld – das Unrecht – aus der Welt geräumt ist”
  • Frau Gormanns:
    “Es gibt noch eine andere Spielart, dem direkten Erben wirklich nichts zu hinterlassen.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Das ist dann der Fall, wenn der Abkömmling des Erblassers eine sehr laxe Lebensart hat, also der Verschwendung zuneigt, ja ganz in erheblichem Maße schon überschuldet ist. Dann ergibt sich daraus ja letztlich der Umstand dass das Vermögen des Verstorbenen nur zur Schuldenbedienung des Kindes herangezogen werden würde und dann besteht die Möglichkeit diesen Pflichtteil unmittelbar auf die nächste Generation überzuleiten. Auch ein höchst, höchst seltener Fall, das man so etwas juristisch hinbekommt.”
  • Frau Gormanns:
    “Kommen wir jetzt mal zurück zum Pflichterbteil. Welche Personen sind denn überhaupt pflichtteilsberechtigt?”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Die Berechtigten sind zunächst mal der Ehegatte, dann die Abkömmlinge und zwar die die einem am nächsten sind also die Kinder. Falls ein Kind vorverstorben ist, gegebenenfalls von diesem Kind die Abkömmlinge – also in dem Falle dann auch Enkel. Dann aber natürlich auch eingetragene Lebenspartner oder adoptierte Kinder und zuletzt können auch die eigenen Eltern, wenn man keine Kinder hat, pflichtteilsberechtigt sein.”
  • Frau Gormanns:
    “So jetzt müssen wir ja den Pflichtteil festlegen bzw. berechnen Herr Bungter.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Der Pflichtteil wird in Bruchteilen, oder natürlich geht genauso Prozentsätze, ausgerechnet. Man muss zunächst mal ausrechnen wie wäre die gesetzliche Erbfolge, wer würde also zu welchem Bruchteil im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge nach dem verstorbenen Erben und wenn man das weiß, dann kann man den Pflichtteil daraus ableiten. Der beträgt nämlich die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.”
  • Frau Gormanns:
    “Wir rechnen gleich mal mit Ihnen gemeinsam.”

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