Erbrecht: Pflichtteilsergänzung

Erbrecht: Pflichtteilsergänzung

  • Frau Gormanns:
    “Radio 90.1 – Montagabend: Ein Fall für den Anwalt. Was alles zur Berechnung des Pflichterbteils hinzugezogen wird, darum geht es jetzt weiter. Markus Bungter, Fachanwalt für Familienrecht, von den Vitus Rechtsanwälten in Mönchengladbach. Die zu Lebzeiten auf die Nachkommen übertragene Immobilie, aber mit Nießbrauch des ursprünglichen Eigentümers, bedeutet im Erbfall, dass dieses Haus komplett zu 100 % in die Berechnung einfließt, haben wir eben genau so gehört.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Das Gleiche gilt im Übrigen für Lebensversicherungen mit einem sogenannten widerruflichen Bezugsrechts. Auch hier gibt es ganz interessante Konstellationen, mit denen man noch einiges machen kann.”
  • Frau Gormanns:
    “Die echte Schenkung und damit auch die Abschmelzung nach Jahren einer Schenkung, die gilt nur bei unwiderruflichem Bezugsrecht, oder?”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Ein widerrufliches Bezugsrecht bei einer Lebensversicherung ist dann gegeben, wenn die Versicherungsleistung im Todesfall der benannte Bezugsberechtigte bekommen soll. Aber diese Vereinbarung mit der Lebensversicherung kann man jederzeit noch ändern, so lange man noch lebt.”
  • Frau Gormanns:
    “Das verstehe ich.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Erst da, wo das Bezugsrecht unwiderruflich mit der Lebensversicherung vereinbart ist, man also die Schenkung sozusagen der Lebensversicherung an den Beschenkten nicht mehr ändern kann, erst da ist der Fortfall des Vermögens gewährleistet und erst dann kann man sagen, das Geschenk ist wirklich schon zu diesem Zeitpunkt gegeben worden.”
  • Frau Gormanns:
    “Das macht Sinn. Wenn es widerruflich ist, also noch zu ändern ist. Dann kann man eben nicht von einer wirklich echten Schenkung sprechen.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Da hat zu keinem Zeitpunkt einer der Benannten die Sicherheit, dass er dieses Geld im Falle ihres Ablebens tatsächlich bekommt. Also ist der Vermögenszuwachs oder der Vermögensfortfall noch gar nicht gegeben.”
  • Frau Gormanns:
    “Berücksichtigt wird eine Lebensversicherung aber in jedem Fall. Die Frage ist ja nur zu welcher Quote.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “100 % wenn es widerruflich ist, weil erst dann das Recht weg ist und ansonsten quotal je nach dem.”
  • Frau Gormanns:
    “Wie wir das mit der Schenkung eben auch mit der Wohnung für 100.000,00 € ausgerechnet haben: 10 Jahre die Hälfte – nur 50.000,00 € Wert, wenn eben nur 5 Jahre um sind. Ganz wichtig bei allem was wir heute Abend besprochen haben: Das enterbte Kind das muss auf jeden Fall seinen Pflichtteilsanspruch geltend machen.”
  • Rechtsanwalt Bunter:
    “Ja, der Pflichtteilsanspruch fällt nicht vom Himmel – den muss man aktiv geltend machen. Man muss also dem Erben sagen, ich habe einen Pflichtteil, den mache ich hiermit geltend. Erteile mir Auskunft, damit ich berechnen kann, wie viel das tatsächlich ist und diesen Betrag hätte ich davon Dir – lieber Erbe – gerne ausgezahlt.”
  • Frau Gormanns:
    “Und das eben auf jeden Fall auch innerhalb einer bestimmten Frist, sonst gibt‘s nämlich nichts mehr.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Ein solcher Anspruch unterliegt der Verjährung und zwar im deutschen Recht 3 Jahre ab Kenntnis vom Tod und von dem Umstand, dass man selber halt enterbt ist. Das ist ja die Grundvoraussetzung gewesen zum Erhalt eines Pflichtteilsanspruchs. Erst wenn ich also von beiden Umständen weiß, das heißt der Erblasser verstorben ist und dass ich enterbt bin, beginnt die Frist zu laufen: 3 Jahre ab diesem Zeitpunkt.”
  • Frau Gormanns:
    “Also wenn ich jetzt heute vom Tod des Erblassers erfahre, aber erst am 30. April von meiner Enterbung. Wie wird dann die Frist gezählt?”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Genau, dann läuft die Frist ab dem 30. April 2016 und endet dann mit dem 31. Dezember 2019. Das mag jetzt etwas überraschend klingen, aber das Gesetz sieht vor, dass solche Fristen immer mit dem Jahresablauf enden, d. h. man hat also noch einige Monate nämlich von Mai bis Ende des Jahres hinzugewonnen an Verjährungsfrist.”
  • Frau Gormanns:
    “Der Pflichtteil fällt nicht vom Himmel wenn man enterbt worden ist. Man muss was tun, den nämlich geltend machen und dann geht es erst richtig los. Was dann alles losgetreten wird haben wir gerade besprochen mit Markus Bungter, Fachanwalt für Familienrecht, von den Vitus Rechtsanwälten hier in Mönchengladbach. Das war´s zum Thema Pflichterbe. Schön dass Sie uns die Auskunft gegeben haben und tschüs.”
  • Rechtsanwalt Bungter:
    “Dankeschön. Ihnen auch einen schönen Abend und einen wundervollen Frühling.”
  • Frau Gormanns:
    “Tja, und alle Interviews mit unserem Fachanwalt Markus Bungter haben wir vor der Sendung aufgezeichnet und ich sag jetzt auch tschüs. Mein Name ist Ursula Gormanns bis ganz bald, macht et juut.”

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