Elterliche Sorge

Elterliche Sorge

  • Frau Gormanns:
    „8 Minuten nach 18:00 Uhr hier am Montagabend – „Elterliche Sorge“ heißt das Schlagwort, mit dem wir uns jetzt mal zum Auftakt der Sendung auseinander setzen. Im Studio ist Markus Bungter, Fachanwalt für Familienrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner hier in Mönchengladbach. Erst einmal einen schönen guten Abend an Sie““
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Guten Abend Frau Gormanns!“
  • Frau Gormanns:
    „Rechtsanwalt Bungter, was ist das überhaupt „elterliche Sorge“ also von Rechtswegen, sag ich jetzt mal?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Die Eltern haben das Recht und vor allen Dingen die Pflicht, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. D.h. sie nehmen zum einen die so genannte Personensorge wahr, entscheiden also über die Belange des Kindes, z. Bsp. in medizinischen oder religiösen Angelegenheiten und sie nehmen die so genannte Vermögenssorge wahr, d.h. sie verwalten das Vermögen des Kindes. Also das Taschengeld z. Bsp. aber auch ggf. Erbschaften, die das Kind haben könnte oder erlangen könnte und haben insoweit darauf zu achten, dass das Vermögen des Kindes während der Minderjährigkeit, d.h. bis zum 18. Geburtstag sich nicht verschmälert.“
  • Frau Gormanns:
    „Von der Geburt bis zur Volljährigkeit haben die Eltern diese Pflicht, das ist ja eine richtig lange Zeit, in der man miteinander auskommen muss“.
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das oberste Gebot in der elterlichen Sorge sollte sicherlich darin liegen, dass Einvernehmen hergestellt wird, d.h. nicht nur zwischen den Elternteilen, sondern auch mit dem Kind, dass also die Belange des Kindes mit diesem besprochen werden und man versucht, da eine gemeinsame Meinung zu finden. Wenn das mit dem Kind nicht möglich ist, z. Bsp. weil es noch zu klein ist, dann muss man als Eltern aber auch manchmal gegen den Willen des Kindes entscheiden.“
  • Frau Gormanns:
    „Also Stress ist da ja schon vorprogrammiert mit dem Kind, oder?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das zählt da auch mit zu, selbstverständlich. Die Eltern sind dazu angehalten, ihre Kinder so zu erziehen, dass sie sich in der Gesellschaft zurecht finden, dass sie also akzeptiert werden und anerkannt werden. Dementsprechend sind auch Grundsätze und Erziehungsregeln aufzustellen. Solange Du Deine Füße unter unseren Tisch setzt, dann….. und auch dies ist sicherlich genau ein Thema der elterlichen Sorge.“
  • Frau Gormanns:
    „Kann man sich denn eigentlich, ich sage mal so ganz salopp, befreien lassen von der elterlichen Sorge?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Nein, die elterliche Sorge besteht grundsätzlich immer. Es sei denn, man ist selber faktisch daran gehindert, die elterliche Sorge auszuüben. Das kann z. Bsp. daran liegen, wenn man selber durch irgendeinem Unfall bewusstlos ist für längere Zeit, in einem Komazustand im Krankenhaus liegt. Gleichsam ist es natürlich so, wenn ein Elternteil auswandert, z. Bsp. nach Australien und das Kind verbleibt hier, z. Bsp. bei den Großeltern in Deutschland, dann kann das Elternteil die elterliche Sorge nicht ausüben. Auch da wäre also dann eine Regelung zu finden, dass die Großeltern die elterliche Sorge für dieses Kind in Deutschland ausüben können.
  • Frau Gormanns:
    „Wer hat denn unter den Eltern, das sind ja immer zwei, mehr elterliche Sorge? Vater oder Mutter?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    Da kommt es darauf an, ob die elterliche Sorge von den Eltern von Anfang an gemeinsam bestanden hat, oder aber z. Bsp. durch eine Sorgeerklärung beim Jugendamt eingerichtet worden ist, dann hat man die gemeinsame elterliche Sorge und muss gemeinsam für die Belange des Kindes entscheiden. Besteht keine gemeinsame elterliche Sorge, z. Bsp. dann, wenn die Eltern nicht miteinander verheiratet sind im Zeitpunkt der Geburt oder auch nachher, dann hat zunächst die Mutter die alleinige elterliche Sorge“
  • Frau Gormanns:
    „Das ist so etwas, das wissen die Wenigsten – noch einmal, wenn das Paar nicht verheiratet ist, wie ist das dann ganz genau?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das ist ein Automatismus – das sieht das Gesetz so vor – dass bei nicht verheirateten Elternteilen die Mutter die alleinige elterliche Sorge hat. Jedoch besteht für den Kindesvater die Möglichkeit, einen Antrag bei Gericht zu stellen auf Einräumung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Ein solcher Antrag wäre der Mutter bekannt zu machen. Sie kann sich dagegen wehren. Sie muss gute Gründe vortragen, warum der Kindesvater nicht in der Lage sein soll, mit ihr gemeinsam die elterliche Sorge ausüben. Kann sie das nicht, räumt das Gericht automatisch dem Vater die gemeinsame elterliche Sorge ein.“
  • Frau Gormanns:
    „Ganz, ganz wichtig zu wissen ist das.“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das wissen die Wenigsten, das liegt aber sicherlich daran, dass diese gesetzliche Regelung im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch noch sehr frisch ist. Sie ist aus dem Frühjahr dieses Jahres und hat sich offensichtlich noch nicht sehr viel herumgesprochen. Wir gehen jedoch seitens der Anwaltschaft davon aus, dass demnächst vermehrt solche Verfahren vor Gericht geführt werden, denn das Interesse der Väter an den Kinder ist doch deutlich größer als man meint.“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt haben wir ja erstmal geklärt, was elterlich Sorge überhaupt ist. Gleich da geht es hier um einen weiteren Begriff aus dem Recht, wenn es um Kinder geht, nämlich das Umgangsrecht. Darum kümmern wir uns gleich in „Ein Fall für den Anwalt“.

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