Berufsunfähigkeitsversicherung (4)

Berufsunfähigkeitsversicherung (4)

  • Frau Gormanns:
    „Oliver Maubach, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus der Kanzlei Rechtsanwälte Schleicher Maubach & Partner hier in Mönchengladbach, ist bei mir im Studio. Herr Maubach, bei der Berufsunfähigkeitsversicherung da ist es ja genauso wichtig, wie bei allen anderen Versicherungsverträgen im privaten Bereich, man muss die Fragen, die da vorher gestellt werden, korrekt und einwandfrei richtig beantworten, anderenfalls kann die Versicherung im Leistungsfall eine Zahlung verweigern.“
  • Rechtsanwalt Maubach:„Die Fragen werden im Rahmen eines Formulars vorgelegt und in diesem Formular muss der Versicherer auch darauf hinweisen, dass die Fragen richtig beantwortet werden müssen. Nur dann hat der Versicherer nämlich die Möglichkeit hat, vom Vertrag zurückzutreten oder Erklärungen anzufechten. Das alles ist in den allgemeinen gesetzlichen Bedingungen im Versicherungsgesetz geregelt und kann dann zur Folge haben, dass bereits erhaltene Leistungen dann zurückgeben werden müssen oder aber dass der Versicherungsvertrag beendet wird.“
  • Frau Gormanns:
    „Also, platt gesagt, lügen geht nicht!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Das ist schlecht, genau. Das wäre dann natürlich eine Falschangabe. Im Zweifel hängt dann die Maßnahme, die der Versicherer ergreift, davon ab, wie er mit der Angabe umgegangen wäre, wenn er es gewusst hätte. Der Versicherer kann entweder, wenn es eine erhebliche Anzeigenpflichtverletzung ist, vom Vertrag zurücktreten, diesen kündigen oder sogar wegen Arglist anfechten. Wenn er trotz dieser Information den Vertrag abgeschlossen hätte, zum Beispiel zu höheren Beiträgen, dann muss er den Vertrag entsprechend umstellen.“
  • Frau Gormanns:
    „Es gibt – das ist vielleicht ganz wichtig – wenn man denn bei diesen Gesundheitsfragen, sagen wir einmal, geschummelt hat, ganz wichtige Fristen, die man einhalten muss.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Die Möglichkeit zum Rücktritt und zur Kündigung ist nur innerhalb von fünf Jahren nach Antragstellung gegeben. Bei vorsätzlicher Falschangabe oder bei Arglist bis zu zehn Jahre, das heißt mit Ablauf dieser Fristen ist eine Kündigung oder Beendigung des Versicherungsvertrages durch den Versicherer nicht mehr möglich.“
  • Frau Gormanns:
    „Das heißt, um als Versicherungsnehmer auf der ganz sicheren Seite zu sein: nach zehn Jahren, wenn dann nichts aufgefallen ist, dann ist alles gut, dann wird auf jeden Fall gezahlt. Das Problem mit den Falschangaben taucht aber natürlich nur dann auf, wenn man eine Leistung aus der Versicherung haben möchte, also sprich, wenn man Geld haben möchte.“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Sie wird dann im Zweifel in dem Augenblick, wo man anfragt, ob eine Leistung erbracht wird, überprüfen: sind die Angaben richtig gewesen? Vorher nicht, weil bis zu diesem Zeitpunkt zahlt man ja brav seine Beiträge und der Versicherer muss ja erst dann leisten, wenn man den Antrag stellt auf Leistung und dann wird geprüft.“
  • Frau Gormanns:
    „Jetzt hört man ja manchmal in so Werbespots bei einigen Versicherern, bei einigen Versicherungsunternehmen, es gäbe gar keine Gesundheitsprüfung, das ist aber ein bisschen Augenwischerei, oder?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Aber selbstverständlich werden auch dort Fragen gestellt und auch dort muss man diese ordnungsgemäß beantworten. Es gibt halt Versicherungen, die sagen: „wir behalten uns aber dann für den Fall vor, dass wir leisten müssen, dass wir dann überprüfen. Wir gehen im Augenblick davon aus, dass es so ist, dass wir nicht leisten müssen.“
  • Frau Gormanns:
    „Aber auch ganz wichtig für unsere Hörer – man muss nicht alles der Versicherung ausplaudern!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „§ 19VVG stellt klar, dass der Versicherungsnehmer nur auf die Fragen antworten muss, die auch gestellt werden, beziehungsweise nur die Informationen abgeben muss, nach denen der Versicherer gefragt hat. Es gab früher die Streitigkeit, was muss denn der Versicherungsnehmer tatsächlich alles dem Versicherer erzählen? Und da hat § 19 VVG jetzt klar gestellt: nur das, wonach auch der Versicherer gefragt hat.“
  • Frau Gormanns:
    „Schön ist dabei, dass das auch alles dokumentiert wird von den Versicherungen, dazu sind diese verpflichtet, hier also positiv aus Sicht des Versicherungsnehmers. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob er überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen kann zu ganz guten Konditionen für den haben Sie einen Tipp!“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Genau, es gibt ein System der Versicherer, wenn eine Anfrage, ein Antrag gestellt wird, das wird dann mitgeteilt, so dass dann andere Versicherer im Zweifel auch gewarnt sind, wenn der Antrag abgelehnt wird. Deshalb gibt es eine unverbindliche Vorabanfrage zum Versicherungswesen und dort kann man dann anonymisiert anfragen was würde passieren, wenn man den Antrag stellen würde.“
  • Frau Gormanns:
    „Macht das denn Sinn, das zu tun?“
  • Rechtsanwalt Maubach:
    „Das macht schon Sinn, wenn man aber natürlich uneingeschränkt sagt: „ich möchte es machen“, dann kann man auch direkt den Antrag stellen. Denn, auch wenn es meist nur theoretisch ist: wenn ich erst die Vorabanfrage stelle und mich dann erst entscheide, es zu machen oder nicht, könnte in der Zeit der Versicherungsfall eingetreten sein.“
  • Frau Gormanns:
    „Tja und dann hat man – auch wieder platt gesagt – einfach Pech gehabt! Die Berufsunfähigkeitsversicherung war heute Abend unser Thema in „ein Fall für den Anwalt“! Schönen Dank an Oliver Maubach, schön, dass Sie da waren, schönen Abend, tschüss!“

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