Ausbildung & Eheschließung

Ausbildung & Eheschließung

  • Frau Gormanns:
    „Wenn man einem Kind, hm…. wenn man das Kind in die Welt setzt, das wollte ich sagen, dann ist man ja verantwortlich bis zur Volljährigkeit als Elternpaar, das ist klar, aber das ist auch so ein bisschen noch eine Sache, wenn nämlich der Nachwuchs, z. Bsp. eine Ausbildung machen möchte und noch nicht 18 ist, dann muss man als Elternteil da vielleicht einwirken. Ist es denn so, dass die Eltern ihrem minderjährigen Nachwuchs vorschreiben können, welcher Beruf jetzt erlernt wird, also statt Goldschmied vielleicht dann doch der Metzger oder so?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Das Kind hat zunächst einmal nach seinen eigenen Neigungen und Fähigkeiten sich zu überlegen, welche Ausbildung es machen möchte und hat diese Überlegung mit den Eltern abzustimmen. Auch hier haben wir wieder das Einvernehmen, das Kind und Eltern zusammen herstellen sollen. Man soll also darüber reden und sich einig werden, welche Ausbildung für das Kind am sinnvollsten ist. Letztlich unterschreiben dann aber die Eltern den Ausbildungsvertrag, weil es hier um eine Ausbildung geht und nicht um ein bloßes Arbeitsverhältnis, da ist es nämlich anders.“
  • Frau Gormanns:
    „Also bei einem bloßen Arbeitsverhältnis, da entscheidet dann der noch unter 18-jährige Jugendliche ganz alleine?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Richtig, man ist ja nicht dazu verpflichtet, eine Ausbildung zu machen. Wenn ein Minderjähriger eine Arbeitsstelle eingeht, so kann er dies selber machen. Er braucht dafür nach § 113 BGB nicht die Zustimmung der Eltern, sondern kann solche Arbeits- oder Dienstverhältnisse komplett selber für sich eingehen, aber auch wieder kündigen.“
  • Frau Gormanns:
    „Bei einer regulären Ausbildung, also einem Ausbildungsvertrag, dann sind dann nur nach Einverständnis der Eltern auch Abbrüche möglich, ist das auch so? Also kann der Jugendliche nicht selber sagen: „och da habe ich jetzt keinen Bock mehr zu?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Solange das Kind noch minderjährig ist, kann es von sich aus selber die Ausbildung nicht abbrechen, es braucht dazu, genauso wie bei Eingehung des Ausbildungsverhältnisses, die Zustimmung der Eltern, d.h. die Eltern müssen für das Kind den Ausbildungsvertrag beenden.“
  • Frau Gormanns:
    „Was ist denn bei einem Nebenjob, den machen junge Menschen ja ganz häufig, geht es da auch ohne Mama und Papa?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Er ist in diesem Bereich, was diese eigene Tätigkeit anbelangt, tatsächlich dann geschäftsfähig, häufig hat man so etwas bei Nebentätigkeiten, z. Bsp. Zeitungen austragen oder im Supermarkt Regale auffüllen, das sind solche Dienst- und Arbeitsverhältnisse, die die Jugendlichen selber für sich regeln können.“
  • Frau Gormanns:
    „Also ich habe noch einmal etwas ganz anderes, nämlich – es gibt ja auch durchaus ganz junge Menschen, also Menschen, die noch nicht volljährig sind, die den Bund der Ehe eingehen wollen. Wie ist das denn bei einer Eheschließung zwischen Minderjährigen? Da haben die Eltern dann zu sagen, ob haben die weniger zu sagen, bestimmt da das Gesetz?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Es ist so, dass das Gesetz diese Möglichkeit einräumt, allerdings nur dann, wenn das Familiengericht diese beabsichtigte Eheschließung vorher genehmigt. Ist das so, dann kann der Minderjährige auch entgegen dem Willen der Eltern die Ehe schließen und ist dann auch von der elterlichen Sorge in weiten Teilen befreit, d. h. er verliert den Schutz der Eltern im Rahmen der elterlichen Sorge und ist früher im Leben für sich selber verantwortlich. Dementsprechend prüft das Familiengericht aber auch sehr genau, ob die Ehefähigkeit, ob die Heiratsfähigkeit vorliegt.“
  • Frau Gormanns:
    „Also dann fallen die Regelungen, die wir eben hatten mit dem Taschengeld usw., auch weg. Also das heißt, es reicht nicht aus, wenn die Eltern einverstanden sind, dass Kevin und Joana heiraten, wenn sie gerade mal 16 sind, das ist das doch ganz konkret oder?“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Nein, dann ist das Gericht nicht außen vor, auch dann muss das Gericht feststellen, dass die Ehefähigkeit vorliegt, denn das Gesetz sagt ganz klar: Die Ehefähigkeit liegt erst mit dem 18. Lebensjahr vor, also mit Vollendung des 18. Lebensjahrs und hier soll eine Ausnahme gemacht werden und dies können nicht die Eltern bestimmen, dies muss durch ein Gericht festgestellt werden.“
  • Frau Gormanns:
    „Alles Dinge, die man wissen muss, wenn man Kinder in die Welt setzt oder wenn man vielleicht Jugendlicher ist, der gerade dabei ist eine Ehe abzuschließen oder zu planen oder was auch immer. Lieben Dank an Sie, an Markus Bungter. Ich fand`s, wie immer, schön, dass Sie da waren und ich freue mich einfach auf die nächste Sendung. Es gibt ja an jedem ersten Montag im Monat immer „Ein Fall für den Anwalt“ mit einem, sagen wir mal, häufig auch brisanten und spannenden Thema. Heute ging es eben um die elterliche Sorge, das Umgangsrecht, Namensgebung oder eben auch Dinge, wie Eheschließung unter Minderjährigen, Ausbildungsvertrag und Arbeitsverhältnis. Rechtsanwalt Bungter, schönen Abend, Tschüss!“
  • Rechtsanwalt Bungter:
    „Tschüss Frau Gormanns und allen Hörern viel Erfolg im Einvernehmen mit den Kindern!“

Sie wünschen weitere Informationen?

Wir beraten Sie gerne!

Mandantenberichte


Rechtsanwälte 02161 92 03 0