Droht eine Insolvenzwelle?

Zur aktuellen wirtschaftlichen Lage – Droht eine Insolvenzwelle?

 

Die Perspektiven für die Wirtschaft werden sehr unterschiedlich angegeben. Aktuelle Stellungnahmen der Bundesregierung, des Kreditversicherers Euler Hermes und der Creditreform zeichnen unterschiedliche Interpretationen der Statistik.

 

Ausgangslage zum Stand aktueller Insolvenzen – die Statistik

 

Sämtliche Medien schildern, dass in Deutschland eine Insolvenzwelle erwartet wird. Die Corona-Pandemie mit ihrem Lockdown habe viele Unternehmen in die Krise und sogar in die Insolvenz getrieben. Die Bundesregierung hat auf eine Anfrage zu den Insolvenzzahlen Stellung genommen (Drucksache 19/27225 (bundestag.de)). Die Anzahl der im Jahr 2020 beantragten Insolvenzverfahren ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp 15 % gesunken. Sie liegt auf dem niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1998. Die Bundesregierung führt dieses auf diverse Hilfsmaßnahmen wie Überbrückungshilfen und vor allem Erleichterungen bei der Kurzarbeit zurück. Zudem ist die Insolvenzantragspflicht zugunsten von Sanierungsbemühungen der Schuldner ausgesetzt. Die Bundesregierung schätzt aufgrund von Erhebungen, dass im Jahr 2021 deutlich mehr Insolvenzen beantragt werden. 2019 wurden insgesamt 18.749 Fälle von Unternehmensinsolvenzen gezählt. Diese Zahl könnte um eine hohe 4-stellige gegebenenfalls sogar niedrige 5-stellige Zahl steigen.

 

Stellungnahme zur Statistik aktueller Insolvenzen von Euler Hermes

 

Euler Hermes sieht aktuell einen leichten Anstieg bei den Insolvenzen von knapp 6 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2020 war die Anzahl der Insolvenzen jedoch extrem niedrig. Der Warenkreditversicherer geht von einem Anstieg um etwa 15 % im Jahr 2022 aus. Die Entwicklung, dass ihm einer der größten Wirtschaftskrisen die Insolvenzzahlen am niedrigsten sind, wird kritisch gesehen (Insolvenzen 2021: Licht und Schatten (eulerhermes.de)). Die Insolvenzentwicklung sei von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt. Sie sei insoweit allein von der Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen abhängig. Euler Hermes warnt davor, dass nur wenige Unternehmen unter die seit dem 1. Oktober 2020 geltende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht fallen. Zudem dürften sich Unternehmen nicht in Sicherheit wiegen. Ein sorgfältiges Risikomanagement sei weiter angebracht. 2020 hätten deutlich mehr Großunternehmen Insolvenzanträge gestellt als noch 2019. Der entstandene Schaden durch Insolvenzverfahren sei von 26,3 Milliarden € auf 42 Milliarden € in 2020 gestiegen.

 

Stellungnahme zur Statistik aktueller Insolvenzen der Creditreform

 

Die Creditreform sieht das Insolvenzgeschehen deutlich kritischer. Danach haben aufgrund der staatlichen Hilfen etwa 25.000 Unternehmen keinen Insolvenzantrag gestellt, die eigentlich hierzu verpflichtet gewesen wären. Gemeinsam mit dem Leibniz Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZIW) habe man die Zahlen untersucht (https://www.zew.de/publikationen/the-covid-19-insolvency-gap-first-round-effects-of-policy-responses-on-smes ). Es zeige sich, dass gerade kleinere finanziell schwache Unternehmen durch staatliche Hilfen am Leben gehalten wurden. Einige dieser wären unter normalen wirtschaftlichen Umständen mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Insolvenz geraten. Die Creditreform warnt, dass der Schaden hierdurch umso größer werden könne. Die Marktbereinigungswirkung der Insolvenz könne nur eingeschränkt erreicht werden. Hiermit soll die Sinnhaftigkeit der Hilfsmaßnahmen nicht infrage gestellt werden. Das Ziel, insbesondere größere Insolvenzen zu verhindern, sei durch die Maßnahmen erreicht worden.

 

Hilfe vom Fachmann!

 

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